Im "König-Zaza-Grill" in Tangerhütte herrschte am Montag dichtes Gedränge. Jugendliche aus der Region, aber auch Stendaler mit Migrationshintergrund lernten dort Ferat Yüksel, den kurdischen Imbissbetreiber, kennen. Tangerhütte war eine von zehn Stationen im Rahmen eines interaktiven Döner-Workshops.

Tangerhütte l Nun müssen sich nicht alle, die sich im Rahmen des Nachbarschaftsprojektes zur Küchenkultur, Integration und Vielfalt kennenlernten, gleich lieben. Den Umgang mit dem vermeintlich "Fremden" aber dürfte das Projekt unter dem Motto "Liebe geht durch den Magen" schon beeinflusst haben.

In Zusammenarbeit mit dem Bittkauer Jugendclub und Streetworkern des Landkreises initiierte das Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien im Bildungs- und Innovationszentrum Magdeburg den interaktiven Döner-Workshop. Dabei lernten sich nicht nur jugendliche "Städter" und "Dörfler" kennen, sie entdeckten auch die Vielfalt der Küchenkultur und die Menschen hinter dem so beliebten Fast-Food-Gericht Döner Kebap.

Zehn verschiedene Döner-Geschäfte in Stendal, Tangerhütte und Tangermünde besuchten sie nach einer Kennenlern-Runde im Bittkauer Jugendclub gemeinsam. Sie stellten Betreibern und Mitarbeitern Fragen und erfuhren einiges über die ganz unterschiedlichen Lebenswege. Der Tangerhütter Imbissbetreiber Yüksel Ferat ist, wie sein Mitarbeiter Orhan Aktus, Kurde. Als ausgebildeter Krankenpfleger, der türkisch, persisch und deutsch spricht, serviert er heute Döner und Co.

"Zaza", so der Name des Geschäfts in Tangerhütte, sei dabei ein Dialekt der kurdischen Sprache, fasste Dr. Mieste Hotopp-Riecke vom Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien Magdeburg als Projektbetreuer zusammen.

Anhand eines Leitfadens befragten die Jugendlichen ihre Gesprächspartner hinter den Imbisstheken. Was sie dort erfahren haben, soll auch in eine interaktive Karte, die sich ausschließlich mit der Dönerkultur beschäftigt, einfließen. "Es geht darum, darüber nachzudenken, dass wir gerne das Gute anderer Kulturen mitnehmen, aber selten sehen, wer dahintersteht", erläutert Anja Hotopp, die die Tour der Jugendlichen ebenso wie Jugendclubbetreuerin Astrid Triebe aus Bittkau begleitete.

Gefördert durch das "Pathfinder"-Projekt (angegliedert an die Landesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung) und durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), konnte der Workshop mit Jugendlichen aus der Region Bittkau sowie den aus Syrien, dem Kosovo, Irak und der Türkei stammenden Stendalern umgesetzt werden.

Das Projekt "Pathfinder" richtet sich an junge Migranten zwischen 14 und 25 Jahren aus Nicht-EU-Ländern (Drittstaaten) mit dem Ziel, sie in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und Eigeninitiative zu stärken. Im Rahmen ihres Döner-Workshops lernten die Teilnehmer unter anderem auch salzige Joghurt-Getränke, türkische Brause, Lahmacun oder Falafel kennen. Auch Bücher und Filme zum Thema wie "Kebap Connection" standen auf dem Programm, um im Anschluss diskutiert zu werden.

Mehr zum Projekt gibt es unter www.doenerkultour.de

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