Max Moor stellte am Freitagabend Ausschnitte aus seinen Büchern im Theater der Altmark vor. Dabei amüsierte er sein Publikum und blieb nur eine Antwort schuldig.

Stendal l Es war ein harmonischer Abend im Theater der Altmark. "Vorleser ist der schönste Beruf, da bekommt man schon Applaus, bevor man überhaupt etwas gemacht hat", sagte Max Moor nach dem Begrüßungsbeifall. Und zum Abschluss sagte er: "Vielen Dank, Sie haben mir eine sehr schöne Zeit bereitet."

Dazwischen lagen eineinhalb Stunden, in denen der gebürtige Schweizer dem Publikum Episoden aus seinem Leben erzählte und aus seinen Büchern vorlas. Er habe ja gar kein neues Buch, das Management habe ihm empfohlen, ein "Best of" zu präsentieren. Wegen der Auswahl werde es am Ende wohl nur enttäuschte Menschen geben, "aber Geld gibt es keines zurück", kündigte Moor an.

Hebamme entband sich selbst

Etwas zäh begann es mit einer Geschichte über seinen Großvater und die Schweiz in den frühen 50er Jahren. Dann gab es einen Zeitsprung und damit auch einen Tempowechsel. "Ich muss raus aus der Schweiz, in die Nähe von Berlin", hatte Moor 2003 entscheiden. Und während seine Frau Sonja etwa für die Diskussion über die neue Farbe der Küchenstühle drei Wochen braucht, reagierte sie ganz spontan: "Wenn du in die Nähe von Berlin musst, dann ziehen wir eben da hin".

Glücklich über die Zustimmung seiner Frau kamen ihm denn aber doch Zweifel. Was, wenn die Brandenburger so funktionieren wie die Schweizer? - "Ein Fremder - Was tut denn der da, der soll wieder weg." In der Schweiz hatten sie ihm auch nicht gerade Mut gemacht. "Aber alle, die genau wussten, wie die Brandenburger ticken, waren noch nie dort gewesen", war ihm der Lacherfolg sicher. Nach Anfangsschwierigkeiten, als seine österreichische Ehefrau noch meinte: "I spür`s net" fand die als Vorhut geschickte Gattin doch einen passenden Bauernhof. Als Moor ihr nachreiste, erkannte er ihn zunächst nicht. "Erst später stellte ich fest, dass das mir gefaxte Foto aus den 30er Jahren stammte", meinte er schmunzelnd.

Mittlerweile ist fast ein Jahrzehnt vergangen. Moor weiß nun längst, dass die Brötchen in Brandenburg Schrippen heißen und nicht Strippen, wie er zunächst verstand, und dass man dort manchmal einfach "zu Mittag" vorbeikommt, was auch mal 17.42 Uhr bedeuten kann. Eine Form der Ungenauigkeit, die in der Schweiz undenkbar wäre, wo es auch "am vier" und nicht "um vier" heißt. "Um", das bedeute drumherum und sei nicht präzise genug. Doch all das scheint Moor nicht zu vermissen, viel zu liebevoll erzählt er von seinem neuen Zuhause, seinen neuen Mitmenschen.

Etwa von dem Bauern, der den Schweizer und die Österreicherin fragte, warum sie denn dort wegmussten, oder von der ehemaligen Hebamme, die sich einst selbst entband. Seine durchaus imposante Imitation der Wehen unterbrach Moor abrupt und meinte: "Das muss jeder Frau lächerlich vorkommen, wenn ein Mann...", im Applaus ging der Rest des Satzes unter.

Nein, enttäuscht wurde wohl niemand an jenem Abend. Der langanhaltende Schlussapplaus mag Beweis dafür sein. Ihn konnte Moor nur abbrechen, als er erklärte, dass verbeugen und applaudieren eine unendliche Kette bilden könnten. Nur warum er sich im vergangenen Jahr von Dieter in Max umbenannte, erläuterte er nicht näher. Für Enttäuschung sorgte aber auch das nicht.