2273 Stendaler können bis Sonntag noch einmal ihre Stimme abgeben. Die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat dürften nahezu stabil bleiben, doch einige Ratsmitglieder müssen um ihren Sitz bangen -sofern das Wahlergebnis nach den neuen Ungereimtheiten und Pannen dann überhaupt Gültigkeit besitzen sollte.

Stendal l Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um einen Sitz dürfte es insbesondere bei CDU, Linke und FDP geben. Bei den Christdemokraten müssen gleich mehrere Fraktionäre bangen. Gleich sechs Bewerber liegen für den 15. und 16. Platz der stärksten Fraktion dicht beieinander.

Die wenigsten Sorgen muss sich dabei Wilhelm Jacob machen. Er rutschte zwar mit 322 Stimmen als letzter über die CDU-Liste in die 16-köpfige Fraktion, hat aber mit 23 Stimmen ein geringes Briefwahlergebnis. Um die Stimmen aus der ungültigen Briefwahl bereinigt zieht er an fünf Fraktionsmitgliedern vorbei.

Besonders zittern muss dagegen Christiane Jäger. Sie kam auf Platz 13, hatte dabei mit 76 Stimmen aber ein besonders gutes Briefwahlergebnis. Um dieses bereinigt muss sie zwei Plätze abgeben.

CDU: Rutschen bekannte Namen noch rein?

Ohne die Briefwahl vom 25. Mai hätte Jörg Fahlke mit 238 Stimmen den 16. und letzten CDU-Platz ergattert. Hinter ihm dürften noch zwei gestandene Ratsmitglieder bei der Wiederholungswahl mit den Hufen scharren und hoffen, dass sie doch noch den Sprung in den Stadtrat schaffen: Dirk Hofer (bislang 233 gültige Stimmen) und Heinz-Jürgen Twartz (211).

Die spannendste Frage wird indes sein, wie CDU-Stadtrat Holger Gebhardt bei dieser Briefwahl abschneidet. Mit 148 Stimmen aus den 37 Wahllokalen käme er bei der CDU-Liste nur auf Platz 22. Sein Briefwahlergebnis von 689 Stimmen war nicht nur das beste alle Bewerber (siehe Kasten), es löste im Rathaus auch die Überprüfung aus, die Verstöße gegen das Wahlgesetz aufdeckten und zur Nachwahl führte.

"Damenwahl" bei den Linken

Wie exorbitant hoch dieses Ergebnis war, zeigt nicht nur die Stimmenzahl selbst, sondern auch der Anteil: Gebhardt bekam 82,3 Prozent seiner Stimmen per Briefwahl. Zum Vergleich: Der Briefwahlanteil der "Stimmenkönige" Katrin Kunert (Linke) und Hardy Peter Güssau (CDU) lag bei 15,7 beziehungsweise 12 Prozent, der Gesamtanteil aller Briefwahlstimmen betrug 16,9 Prozent. Da ragt nur ein zweiter CDU-Bewerber noch auffällig heraus: Andreas Hampel bekam 60 seiner 122 Stimmen per Briefwahl (49,1 Prozent).

Bei der zweitstärksten Partei im Stadtrat heißt es am 9. November gewissermaßen "Damenwahl". Der für den verstorbenen Klaus-Peter Noeske nachgerückten Susanne Sommer folgen fast gleichauf Stephanie-Wilhelmine Schulz und Heike Laß. Ohne die Briefwahlergebnisse vom 25. Mai liegt Schulz sogar eine Stimme vor Sommer, Laß folgt fünf Stimmen dahinter. Da kommt es am 9. November auf jede Stimme an.

Bei diesem Dreikampf müssen auch drei Herren, die knapp davor liegen, noch Obacht geben: Jörg-Michael Glewwe, Norbert Lindstedt und Sven Meinecke haben aber einen Vorsprung zwischen 15 und 25 Stimmen.

FDP-Dreikampf mit Kühn, Tüngler und Bleißner

Bei der SPD würde erst ein kleines Beben die Reihenfolge durcheinander bringen. Steffen Tank müsste mehr als 40 Stimmen aufholen, um an Peter Ludwig, der auf dem achten und letzten Sitz der SPD-Liste liegt, noch vorbeiziehen zu können. Bei der Briefwahl lagen beide am 25. Mai nahezu gleichauf.

Ganz eng ist es hingegen bei den Liberalen: Michael Kühn lag am Wahlabend nur sieben Stimmen vor der drittplatzierten Harriet Tüngler. Weitere 15 Stimmen danach folgt die langjährige Fraktionsvorsitzende Astrid Bleißner. Beide haben aber etwas mehr Briefwahlstimmen als Kühn, so dass derzeit der Abstand etwas größer ist: Kühn führt mit zwölf Stimmen vor Tüngler und 26 vor Bleißner. Fraktionsvorsitzender Marcus Faber hat im sozialen Netzwerk Facebook erkennen lassen, wer sein Favorit ist: Er forderte dort seine Freunde auf, am 9. November nicht ihm, sondern Kühn ihre Stimmen zu geben.

So unangefochten wie Faber für die FDP sitzt auch Sylvia Gohsrich für die Grünen im neuen Stadtrat. Sie hat 271 Stimmen Vorsprung gegenüber dem auf Platz 2 liegenden Maik Kolloch. Gohsrich erreichte bei der Briefwahl 108 Stimmen - ihr Ergebnis am Abend des 9. November dürfte hingegen ein Stimmungsbarometer sein, wie die schwarz-grüne Liason im Stadtrat bei der Wählerschaft ankommt.

Keine Sorgen müssen sich auch Olaf Lincke und Carola Radtke machen: Der Pirat und die Einzelbewerberin, die beide gemeinsam mit SPD und FDP die neue Mitte-Fraktion gebildet haben, dürften unabhängig von ihrem Briefwahlergebnis dem Stadtrat angehören.

Für mindestens zehn andere wird es dagegen spannend.