Tangerhütte l In diesem Jahr gab es keine Kulturhausfahrt mehr. Vor dem Hintergrund von Diskussionen um die Aufgaben und Angebote des Tangerhütter Kulturhauses, die im Stadtrat geführt worden waren, wurden im Vorjahr auch die traditionellen Festival-Touren auf den Prüfstand gestellt. Mit Verweis auf private Reiseunternehmen wurde die Organisation von begleiteten Touren zu musikalischen Festspielen in Frage gestellt. Um weitere Debatten zunächst zu vermeiden, gab es in diesem Jahr keine solche Fahrt mehr.

Festivaltouren waren beliebt

In den vergangenen Jahren führten die Touren nach Dresden, Bregenz oder Rügen. Ihr Wegfall ist auch langjährigen Freunden dieser Fahrten, wie Harald Mehle (75) aus Grieben, erst aufgefallen, als er sein Konzertanrecht für die Reihe "Stunde der Musik" bezahlte. "Ich bin sehr traurig darüber, denn die Kulturhausfahrten waren in der Vergangenheit immer ein ganz besonderes Erlebnis. Es ist ein Verlust für viele, die diese Fahrten gerne angenommen haben!", so der pensionierte Lehrer.

Jetzt ist auch die beliebte Konzertreihe "Stunde der Musik" im Sozialausschuss der Einheitsgemeinde ins Visier von Stadträtin Edith Braun (WG Lüderitz) gerückt. "Wir haben gesagt, dass wir Dinge wie die Stunde der Musik nicht mehr finanzieren und dass Fahrten nicht mehr stattfinden, weil die Einheitsgemeinde kein Busunternehmen ist! Wir können uns das nicht leisten und jetzt stelle ich fest, wir tun es weiter", empörte sie sich. Sie sprach sich wiederholt dafür aus, das Kulturhaus wie ein großes Dorfgemeinschaftshaus zu behandeln, räumte aber Veranstaltungen wie dem Herbstfest oder dem Bockbierfest einen gewissen traditionellen Wert ein. Sie sprach von Kulturarbeit, die Tangerhütte nicht leisten könne.

Angelika Bierstedt als Stellvertreterin des Bürgermeisters bestätigte die Diskussionen um die Kulturhausfahrten, erklärte zum Thema Konzerte aber auch, dass sowohl der Betrieb der Dorfgemeinschaftshäuser als auch Veranstaltungen im Kulturhaus gleichermaßen zu den freiwilligen Aufgaben gehörten. Die Konzertreihe "Stunde der Musik" ist seit 35 Jahren fester Teil der Tangerhütter Kulturlandschaft und spricht mit hochkarätigen Besetzungen - darunter die Bundesauswahl der Konzerte junger Künstler - nicht nur Tangerhütter, sondern auch Gäste aus dem Umland an.

Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass am gleichen Abend im Sozialausschuss ein Antrag Edith Brauns und ihrer Wählergemeinschaft Thema war, in dem es um die sogenannten "Paragraf-Sieben-Mittel" nach dem Gebietsänderungsvertrag der Einheitsgemeinde geht. Weil diese für Kultur- und Vereinsförderung in den Ortschaften vorgesehenen Mittel in Lüderitz nicht mehr ausreichend seien, möchte sie die vor etwa drei Jahren freiwillig gekürzten Mittel wieder in voller Höhe für die Ortschaften zur Verfügung stellen.

Es geht dabei um ursprünglich rund 100 000 Euro, die nach Auflagen der Kommunalaufsicht auf maximal vier Prozent des Verwaltungshaushaltes beschränkt werden sollten und danach noch rund 52 000 Euro für alle Ortschaften betrugen. Hintergrund war das nach dem ersten gemeinsamen Haushaltsplan 2011 notwendige Konsolidierungskonzept. "Wir sind aber der Auffassung, dass mit den gekürzten Größenordnungen kulturelles Leben nicht zu realisieren ist", so Braun. Sie hob Lüderitzer Vereine mit Außenwirkung wie Fanfarenzug, Sportverein oder die Organisatoren der Fahrzeugmesse hervor.

Mittelverwendung prüfen

Jörg Rudowski (UWG "Südliche Altmark") plädierte dafür, die Meinungsbildung in den Ortschaften abzuwarten und regte auch einen "Fonds" für Veranstaltungen und Vereinsjubiläen mit überregionaler Ausstrahlung an. Darüber hinaus forderte er, die konkrete Verwendung der Ortschaftsmittel auf den Prüfstand zu stellen, um sie vergleichbar zu machen. So werden in manchen Orten In frastrukturmaßnahmen darüber finanziert, während andernorts allein die Kultur- und Vereinsarbeit im Vordergrund stehe.