Diesen Freitag wird die Ausstellung "Anne Frank - Eine Geschichte für heute" eröffnet. Einige Stendaler, darunter die 83-jährige Ingrid Fuchs, gestalten das Rahmenprogramm mit.

Stendal l Als Zeitzeugin des Holocaust möchte Ingrid Fuchs am 25. und 26. November mit Schülern und Senioren ins Gespräch über diesen Teil der deutschen Geschichte kommen. Die 83-Jährige lebt seit 1953 in Stendal und ist seit vielen Jahren in der Evangelischen Stadtgemeinde aktiv, unter anderem im Seniorenkreis und im Besuchsdienst. Geboren und aufgewachsen ist sie im thüringischen Mühlhausen, sie erlebte dort die Nazi-Zeit als Kind und Jugendliche. 1938, als im November bei den Pogromen jüdische Familien verschleppt und jüdische Geschäfte sowie Synagogen zerstört wurden, war Ingrid Fuchs sieben Jahre alt.

"Meine eigene Familie war von der Judenverfolgung nicht betroffen, aber wir haben das ja mitbekommen. Und ich hatte eine jüdische Klassenkameradin, wir waren ein Jahr zusammen in der Schule, dann war sie auf einmal weg." Wie sie später erfuhr, konnte die Familie jedoch rechtzeitig auswandern. "Sie hatten solches Glück", sagt Ingrid Fuchs, die dieses Schicksal so berührt hat, dass sie sich seither immer mehr und immer intensiver mit jüdischer Geschichte und jüdischem Leben beschäftigte. "Ich habe mir ganz viel Literatur gekauft, auch speziell zu Mühlhausen gab es eine Veröffentlichung, und habe so ganz viel von den Geschehnissen rekonstruieren können." Die Mühlhausener Synagoge übrigens wurde nicht zerstört. "Die konnten sie nicht anzünden, weil sie inmitten von Fachwerkhäusern steht."

Etliche Zeitungsartikel über den Holocaust, mit Geschichten über Nachfahren und über Stolpersteinverlegungen hat Ingrid Fuchs ausgeschnitten und gesammelt."Ich finde es ganz wichtig, davon der Jugend zu erzählen, aber auch den Älteren, die ja immer noch vieles nicht hören wollen oder verdrängen." Zu den Gesprächsrunden mit Schülern und Senioren bringt sie neben ihrem eigenen Wissen und ihren Erinnerungen die Geschichte "Die Geschwister von Ravensbrück" von F. C. Weiskopf mit: "Wenn man die vorliest, braucht man eigentlich nichts weiter zu sagen."