In dieser Woche werden die letzten beiden Familien mit Kindern die Wohnsiedlung verlassen, wie der Landkreis Stendal mitteilt. Offiziell gemeldet sind in Stendal Süd 96 Menschen. Die Stadt geht aber von weit weniger Mietern aus.

Stendal l Gestern Nachmittag fährt Udo Jahnke in der Bremer Straße in Stendal Süd vor. Der 58-Jährige ist im September dort ausgezogen, kommt aber regelmäßig, um noch mal den alten Postkasten zu leeren. "Nee, das ist hier gegessen", sagt Jahnke. In den vergangenen Wochen seien sehr viele Leute aus den sogenannten Raks-Blöcken ausgezogen. Nachdem die Stadtwerke die Stromversorgung in den Fluren eingestellt und die Wasserversorgung über vier Zapfstellen lieferte, setzte die Umzugswelle im Juli ein.

Seit Monaten kein Kontakt mehr zu den Vermietern

"Es hat sich an unseren Außenständen gegenüber dem Vermieter nichts geändert", sagt Rolf Gille als Pressesprecher der Stadtwerke. Rund 160000 Euro sind mittlerweile aufgelaufen. Es gibt unbezahlte Rechnungen der RaksAG sowie von vorherigen Verwaltern und Eigentümern bei den Stadtwerken, dem Landkreis und der Stadt in Höhe von rund 500000Euro, wie Stadtsprecher Klaus Ortmann mitteilt. Insgesamt stelle sich die Sachlage als "juristisch äußerst kompliziert" dar (siehe Info-Kasten).

"Wir haben seit Monaten keinen Kontakt zu den Verantwortlichen und es sind auch keine Zahlungen eingegangen", sagt Rolf Gille von den Stadtwerken. Letztmalig hatte ein Prokorist der RaksAG Anfang Juli öffentlich Zahlungen zugesagt. Passiert ist laut Gille seither aber nichts.

Man werde mit dem ersten Frost die Wasserlieferung ganz einstellen, so Pressesprecher Gille. Das Wasser bekommen die Mieter seit Anfang Juli ohnehin nur noch über vier Entnahmestellen außen an den Häusern.

Vor zwei Wochen wurden die wenigen verbliebenen Mieter von der Stadt darüber informiert, dass diese Notwasserversorgung ab dem 15.November eingestellt wird. Mittlerweile lassen sich die Verantwortlichen bei Stadt und Stadtwerken nicht mehr auf das genaue Datum festlegen. "Sobald es friert", heißt es nun. Man müsse auf den Erhalt der Leitungen achten, sagt Gille.

Letzte Kinder ziehen in kommenden Tagen aus

Wie viele Menschen überhaupt noch in den vier Blöcken an der Hanseeallee sowie der Lemgoer und der Bremer Straße wohnen, ist unklar. Nach Angaben der Stadt sind beim Meldeamt noch 96 Menschen dort registriert. Stadtsprecher Klaus Ortmann geht jedoch von weit weniger aus. Er selbst habe vor kurzem abends in 15Wohnungen Licht brennen sehen.

Nach Angaben des Landkreises gibt es in den Blöcken derzeit noch zwei Familien mit Kindern. Eine Familie werde an diesem Donnerstag ausziehen, die andere in Kürze. Das Jugendamt kümmere sich um die Kinder, teilte der 2. Beigeordnete Sebastian Stoll mit.

Aktive Hilfe bei den Umzügen leistet auch der Paritätische. "Wir vermitteln Kontakt zu Vermietern und sprechen mit dem Jobcenter", sagt Projektkoordinatorin Andrea Belitz. Es werde aber auch für sie und ihre beiden Kollegen immer schwieriger. "Man muss erst mal an die Menschen herankommen" sagt sie.