In Stendal wurde ein Holz-Kaminofen mit einem besonders schadstoffarmen Verbrennungssystem entwickelt. Und weil manche Ofenkäufer meinen, dass so ein heizender Stahlklotz doch auch gut aussehen müsste, hat sich ein Designer mit ans Werk gemacht.

Stendal l Ofenwerbung ist an dieser Stelle der Zeitung eigentlich nicht am rechten Platz. Wenn aber sowohl das Patent für eine neuartige Verbrennungstechnik als auch das Design in Stendal erdacht wurden, soll eine Ausnahme gemacht werden.

In den Hallen von JS Lasertechnik im Südosten Stendals geht jetzt ein Produkt in Serie, das zunächst einmal drei Herren glücklich macht: den Erfinder, den Hersteller und den Designer. Es handelt sich um einen Kaminofen aus hitzebeständigem und rostfreiem Kesselbaustahl, der ein speziell auf Holz ausgerichtetes Verbrennungssystem hat und seine Heizwirkung nach rund einer Viertelstunde entfaltet.

Und da die Autorin damals in Physik nicht so sehr aufgepasst hat, zitieren wir an dieser Stelle die technischen Vorzüge einfach mal von der Internetseite des Ofenherstellers: "Wir verbinden das geniale Prinzip des Röhrenkonvektors, der für eine schnelle Raumlufterwärmung sorgt, mit einer integrierten hochwirksamen Speichermasse. Ein Teil der Strahlungswärme wird automatisch gespeichert und auch nach dem Abbrennen des Heizmaterials zeitverzögert als Konvektionswärme an die Raumluft abgegeben."

Dieser Ofen nun hat sogar einen Namen: Bjoern. Das hört sich erst einmal an wie aus dem Ikea-Katalog. Und ein bisschen ist es auch Absicht, dass man gleich an Skandinavien denkt. "Ja, Bjoern hört sich nach Norden an, im Norden ist es kalt, da gibt es Wald, also viel Holz, und Bären..." Das ist Jens Schumachers simple, aber irgendwie romantische Erklärung, wie es zu Name und Bären-Logo kam. Dass der Bjoern-Bär nun nicht mehr wie anfangs aufrecht steht, sondern im neugestalteten Signet dem Ofen-Betrachter sein Hinterteil zeigt, mag nur ein Schelm mit Bio-Abgas in Verbindung bringen.

Wobei man da gar nicht so falsch liegt. Denn Bjoern, so erklärt Schumacher, "erfüllt bereits jetzt die Anforderungen der neuen 1. Bundesimmissionsschutzverordnung Stufe II und kann auch über das Jahr 2014 hinaus ohne zusätzliche Maßnahmen betrieben werden". Bjoern stößt also nur geringste CO2-Mengen im Rauchgas aus und wird mit einem Wirkungsgrad von 80 Prozent beworben.

"Die Energie lag jaungenutzt auf dem Hof"

Erfinder dieses Systems ist Metallbaumeister Detlef Dreißiger, der zwar schon Rentner ist, in den Hallen von JS Lasertechnik aber immer noch der Mann für den Ofen. "Eigentlich hatte ich vor ein paar Jahren einfach nur nach einem Ofen gesucht, um Holzpaletten zu verwerten, da lag die Energie ja praktisch ungenutzt auf dem Betriebshof rum." Also tüftelte er, baute einen Ofen, der vom TÜV keine Zulassung bekam, dachte sich etwas Neues aus und - brachte den TÜV-Prüfer dieses Mal ins Zweifeln, ob die Prüfsonden defekt seien. "Die Werte waren so gut, das konnte der gar nicht glauben", erinnert sich Dreißiger schmunzelnd.

2009 also begann Firmenchef Jens Schumacher mit der Produktion des Holz-Kaminofens. "Bis dahin hatten wir kein eigenes Produkt, und ich dachte, das könnte eine zweite Schiene für uns sein." Seither hat der Ofen einige technische und gestalterische Veränderungen erfahren. Und weil so ein kleiner Stahlklotz im Wohnzimmer ja auch möglichst gut und nicht nach Werkstatt aussehen soll, wurde ein Designer mit ins Bjoern-Boot geholt: Rüdiger Laleike.

"Ein Jahr lang haben wir daran gearbeitet, es sollten drei Dinge zusammengebracht werden: das Funktionale, das Fertigungstechnische und die Ästhetik", sagt Laleike. Als gelerntem Lokschlosser ist ihm das Technische nicht fremd, und als studierter Produktdesigner wirft er sich leidenschaftlich für die Verbindung von Funktion und Ästhetik ins Zeug. "Design heißt ja nicht, dass man um die Technik was Schickes drumrum macht, sondern es muss von innen her kommen."

Eben weil sich die Gestaltung nicht von der Funktionalität abgrenzen kann, hat sich Bjoern im Laufe des Jahres immer weiter verändert: Es wurden Materialien ausgetauscht, wurde die Rohrführung geändert, wurden Schweißnähte unsichtbar gemacht, wurde die Türöffnung verändert und die Warmluftaustrittsöffnungen unter die Verkleidung gelegt. "Aus einem typischen Werkstattofen haben wir einen wohnzimmertauglichen gemacht, bei dem das Funktionsprinzip aber immer noch nach außen erkennbar ist", fasst Laleike das gemeinschaftliche Wirken zusammen. Wer übrigens keinen Design-Ofen haben möchte, kann auch immer noch das robustere Modell bestellen.

Und wer von den drei Herren hat nun selbst einen Bjoern zu Hause? Der Geschäftsführer selbst. Und der schwärmt natürlich: "Wir hatten vorher einen normalen Kaminofen, der Unterschied ist sehr deutlich zu merken. Die Verbrennung ist wirklich anders, viel intensiver, wir brauchen nur ganz wenig Holz. Und der Schornstein qualmt nicht mehr so." Und auf jeden Fall möchte Jens Schumacher bald den neuen Bjoern in Anthrazit-Rot in seiner Stube stehen haben.