Der Stadtentwicklungsausschuss wird sich nächste Woche mit einem geplanten Neubau in der Karlstraße beschäftigen. Dieser entspricht nicht der städtischen Gestaltungssatzung. Nicht zuletzt Theaterintendant Alexander Netschajew hatte darauf gesetzt, dass auf dem Gelände ein Parkplatz entstehen könnte.

Stendal l Jahrelang wucherte gegenüber vom Stendaler Theater das Gras. Zwei Banner auf der Wiese warben einerseits für Veranstaltungen im Theater und andererseits für den Verkauf der Grundstücke.

Nun wird die Brachfläche aller Voraussicht nach mit einem Komplex für Zahnarztpraxis, ein Labor und Wohnungen bebaut werden. Der Verkauf der Grundstücke an einen Stendaler Mediziner steht kurz bevor, wie Sprecher Klaus Ortmann auf Nachfrage mitteilt. Die Grundstücke befinden sich - wie alle innerstädtischen Grundstücke der Stadt - im Treuhandeigentum der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH (DSK). Die Grundstücke wurden 2008 und 2009 von der Stadt erworben. Die baufälligen Häuser wurden abgerissen. "Seither befinden die Grundstücke sich in der Vermarktung", sagt Ortmann.

Entwicklungsausschuss entscheidet über Ausnahme

Das Haus, so wie es derzeit in der Karlstraße geplant ist, hebt sich stark von der sonst in Stendal üblichen Bauweise ab. Insbesondere das geplante Flachdach entspricht nicht der seit 2010 gültigen Gestaltungs- und Werbesatzung für die Altstadt. Daher muss sich nächste Woche der Stadtentwicklungsausschuss mit dem Bauvorhaben beschäftigen.

Die Verwaltung plädiert dennoch für das Bauvorhaben, so wie es der Investor plant. Dieser verweist darauf, dass sich gegenüber das Theater der Altmark befindet, das seinerseits ein Flachdach besitzt. Es ergäbe sich "eine spannende Wechselbeziehung".

Der Investor möchte sich zu den Plänen bislang nicht äußern, solange der Kaufvertrag für die Grundstücke nicht abgeschlossen ist. "Noch ist nichts entschieden", sagte er auf Anfrage der Volksstimme.

Nach Angaben der Stadt hatte es in den vergangenen Jahren mehrere Interessenten für das Areal gegeben. Diese seien teilweise kurz vor Vertragsschluss wieder abgesprungen.

Von Stadträten und zuletzt auch von Theater-Intendant Alexander Netschajew war die Idee eines Parkplatzes auf der Fläche geäußert worden.

Stadt verfolgt Ziel der Baulückenschließung

"Wir haben immer wieder gesagt, wenn sich kein Investor findet, dann kann daraus ein Parkplatz werden", sagte Ortmann. Für die Innenstadt werde das Ziel verfolgt, Baulücken durch Gebäude zu schließen. Nach den Unterlagen, die den Ausschussmitgliedern gestern zugegangen sind, heißt es: "Die Errichtung des Gebäudes mit begrüntem Flachdach wirkt sich nicht nachteilig auf das Straßenbild aus, da durch die platzähnliche Situation zwischen Theater und dem neu zu errichtenden Gebäude eine städtebauliche andere, belebende Situation entsteht." Ohnehin bedürfe es später einer gestalterischen Aufwertung des Theaterplatzes.