Stendal l Persönlich kennt Joachim Gauck die kleine Anna Pineker zwar nicht - aber ein Bild von sich und einen Gruß hat er ihr trotzdem geschickt. Denn das sieben Monate alte Mädchen ist das siebte Kind von Tatjana und Viktor Pineker - und für das siebte Kind einer Familie übernimmt der Bundespräsident auf Antrag die Ehrenpatenschaft. Neben einem Scheck über 500 Euro ist das Ganze eher als symbolische Anerkennung zu verstehen.

Laut Bundespräsidialamt soll dies "mit dazu beitragen, das Sozialprestige kinderreicher Familien zu stärken". Mit einer Taufpatenschaft hat es also nichts zu tun. Für Annas Eltern jedoch war der gestrige Tag trotzdem "etwas ganz Besonderes", wie der stolze Papa von Anna sagte.

Kindergarten ist zu Hause

Sie waren mit der am 31. März geborenen Anna und ihren sechs Geschwistern Rudi (10 Jahre), Rebekka (8), Dorothea (7), Lilia (5), David (4) und Stefan (2) gestern Vormittag zu Gast bei Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz, der die Patenurkunde im Namen des Bundespräsidenten überreichte. "Sieben Kinder, das gibt es nicht oft", sagte Schmotz, für den es seit Amtsantritt 2001 das zweite Mal war, dass er solch eine Urkunde überreichte.

Pinekers sind Spätaussiedler aus Kasachstan, leben seit 13 Jahren in Deutschland. Sie wohnen in Heeren, wo Viktor Pineker (36) in einer Schweine- und Geflügelzucht arbeitet. Seine Frau Tatjana (31) ist nicht berufstätig, hat aber alle Hände voll zu tun mit der Kinderschar. Vier gehen noch nicht zur Schule, besuchen aber auch keinen Kindergarten. "Den Kindergarten haben wir ja zu Hause", sagt Tatjana Pineker entspannt lächelnd. Jeden Tag wird frisch gekocht, Haushalt und Kinderbetreuung bewältigt die Mutter allein: "Gott gibt uns die Kraft dafür."

Dass es nach Anna noch weitere Kinder geben wird, scheint den siebenfachen Eltern gewiss. "Kinder sind ein Geschenk Gottes", sagt Viktor Pineker, "und wir nehmen so viele an, wie er uns gibt." Er selbst hat sogar zwölf Geschwister. "Ich bin der Älteste, meine jüngste Schwester ist zehn Jahre alt, also so alt wie unser Ältester, Rudi." Und für Rudi ist die Tatsache, dass er so viele Geschwister hat, ganz schlicht und ergreifend: "Toll!"