Elona Mowitz hilft in ihrer Freizeit Menschen, die keine Wohnung mehr haben oder die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Dafür bekommt sie kein Geld, aber den Blumenstrauß des Monats November.

Stendal l "Wir würden vieles gar nicht schaffen, wenn uns Frau Mowitz nicht unterstützen würde", sagt Mandy Krümmel, Leiterin des Stendaler Ordnungsamtes. In ihren Zuständigkeitsbereich fällt auch die Obdachlosenunterkunft der Hansestadt. Menschen, die plötzlich in Not geraten sind, finden hier übergangsweise ein Quartier und Ansprechpartner, die versuchen, ihnen wieder auf den Weg zu helfen.

Hier kommt Elona Mowitz in Spiel. Seit Mitte des Jahres engagiert sich die junge Frau aus Dahlen ehrenamtlich und unterstützt das Stendaler Ordnungsamt bei seiner Arbeit in der Obdachlosenunterkunft. "In Absprache mit uns sucht Frau Mowitz von Obdachlosigkeit betroffene Menschen auf und versucht, ihnen Hilfe anzubieten, um die Obdachlosigkeit zu vermeiden", sagt Mandy Krümmel. "Sie nimmt uns damit Arbeit ab, die wir personell gar nicht leisten könnten." Warum sie das macht? "Ich wollte Menschen helfen, denen es nicht so gut geht. Ich wollte eine Klientel finden, die Hilfe benötigt, aber noch keine, beziehungsweise keine ausreichende bekommen."

"Die Menschen sind ganz unten, haben alles verloren, auch ihre Würde."

Durch Recherchen im Internet ist sie auf die Obdachlosenunterkunft in Stendal gestoßen und hat sich sofort mit dem Ordnungsamt in Verbindung gesetzt. Die Mitarbeiter nahmen ihre Hilfe dankbar an. Seitdem kümmert sich Elona Mowitz um die Menschen, die in der Obdachlosenunterkunft untergebracht sind oder die kurz vor der Zwangsräumung stehen. Da müssen Gespräche geführt und Hilfe angeboten werden, nicht nur mit den Betroffenen, auch mit den Vermietern. "Man muss dann schauen, ob es nicht vielleicht doch noch einen anderen Weg gibt, als die Zwangsräumung. Gerade, wenn Familien mit Kindern betroffen sind. Manchmal geht noch eine Ratenzahlung oder Vermieter und Mieter einigen sich anders. Das ist sehr unterschiedlich".

Aber nicht immer klappt es mit einer Einigung. Wenn dann die Obdachlosigkeit eingetreten ist, dann steht Elona Mowitz den Betroffenen erst recht zur Seite, spendet einerseits Trost, spornt aber andererseits bei der Suche nach einer neuen Bleibe an. "Das ist nicht einfach, denn viele Vermieter haben Vorurteile, wenn sie sehen, wer da vor ihnen steht. Wer wohnungslos ist oder auch schon auf der Straße gelebt hat, der ist körperlich und seelisch am Ende und sieht auch genau so aus." Sie spricht von Menschen mit Alkoholproblemen und auch von Kriminellen, die sehr schwer zu vermitteln sind und von den Vermietern oft abgelehnt werden.

Aber nicht nur bei Vermietern, auch bei Banken und Behörden begleitet Elona Mowitz die Betroffenen. Das sei deshalb von Vorteil, weil die Betroffenen oft Angst vor den Behörden hätten oder deren Anforderungen gar nicht verstünden. "Man muss wissen, dass diese Menschen wirklich ganz unten angekommen sind und oft mit den einfachsten Anforderungen überfordert sind", erzählt Elona Mowitz.

Aber sie berichtet auch von kleinen Erfolgen, die sie kürzlich mit einem Bewohner der Obdachlosenunterkunft erziehlen konnte. "Wir haben Schritt für Schritt zusammengearbeitet, sind von Behörde zu Behörde gegangen, von Bank zu Bank, um die Konten zu klären und Probleme zu beseitigen. Und jetzt haben wir einen Vermieter gefunden, der ihn aufnimmt. Da waren wir sehr stolz."

"Ich komme aus Kasachstan und habe sehr viel Elend gesehen."

Für Elona Mowitz ist es allerdings nicht immer ganz einfach, mit dem was sie sieht, umzugehen. "Die Menschen sind oft sehr verzweifelt und haben manchmal alles verloren. Auch ihre Würde. Aber ich finde, jeder hat eine zweite Chance verdient." Aber sie verkraftet das Gesehene, weil sie weiß, dass es tatsächlich noch schlimmer geht. "Ich komme aus Kasachstan" erzählt sie. "Ich war 13, als meine Familie hierher zog. Ich habe dort so viel Elend gesehen, da ist Deutschland Gott sei Dank noch weit von entfernt."

Mittlerweile arbeitet sie nicht nur mit Menschen in der Obdachlosenunterkunft, sondern hilft auch einer Familie im Asylbewerberheim, "die vier kleine Kinder hat, von denen zwei schwer krank sind. Die Familie kommt aus Litauen und kann kein Deutsch.Ich begleite sie bei Arztbesuchen und bei Behördengängen und übersetze. Ich weiß selbst noch wie es ist, wenn man kein Deutsch kann. Da ist es gut, wenn jemand da ist, der einen an die Hand nimmt."

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