Die Ausstellung "Anne Frank - eine Geschichte für heute" ist am Freitag in der Katharinenkirche eröffnet worden. Sie soll anregen zum Nachdenken über Parallelen und Unterschiede zwischen gestern und jetzt.

Stendal l Zur Eröffnung der Ausstellung "Anne Frank - eine Geschichte für heute" in der Katharinenkirche häuften sich die Danksagungen. Das bringt ein Projekt, das nur durch die Zusammenarbeit vieler möglich ist, so mit sich. Man bedankte sich bei der Stadt und dem Landkreis Stendal. Für die musikalische Untermalung ging der Dank an Maike Schymalla am Flügel und Laura Breitenstein an der Geige.

Ganz besonderen Dank gebührte jedoch den "Machern" der Ausstellung: Jeanette Merten und Susanne Borkowski vom Verein KinderStärken sowie Melis Kiran vom Anne-Frank-Zentrum Berlin. Letztere hatte in Merten und Borkowski zwei unermüdliche Organisatorinnen vor Ort gefunden. Diese wiederum konnten ebenfalls auf viele Helfer zählen. Unter anderem auf Gabriele Bark, Leiterin des Altmärkischen Museums, und natürlich auf die 13 Jugendlichen, die sich als sogenannte "Schülerguides" haben ausbilden lassen.

Bewegend und unglaublich zeitlos

Die Schüler aus fünf Schulen des Landkreises Stendal werden in den nächsten vier Wochen Gruppen durch die Ausstellung begleiten. Oberbürgermeister Klaus Schmotz war von der Idee angetan. Einziger Kritikpunkt: "Guides! Das klingt immer so komisch!" Er nannte sie in seiner Grußrede Ausstellungsbegleiter und sprach damit vielen aus der Seele. Als es nach der festlichen Eröffnung in die Ausstellung ging, die bisher in mehr als 60 Ländern gezeigt worden ist, waren die meisten Besucher positiv überrascht. "Dass die so interessant ist, hätte ich nicht gedacht!", war etwas, was von vielen zu hören war. Angespielt wurde auf die Tatsache, dass im Altmärkischen Museum aus Platzgründen nur große, bedruckte Banner gezeigt werden können. Doch die sind bestückt mit vielen Fotos, davon etlichen privaten aus der Familie Frank. Otto Frank, Vater von Anne, war Hobbyfotograf. Kurze, prägnante Texte ergänzen das Bildmaterial.

"Ich bin immer wieder bewegt," so Ingrid Fröhlich-Groddeck, "obwohl ich doch schon so oft und immer wieder das Tagebuch gelesen habe!" Das ist genau das, was das Tagebuch dieses jungen Mädchens so besonders macht. Geschrieben in einer schrecklichen Zeit, in einem Versteck in Amsterdam, bewahrt es eine Fröhlichkeit und ist doch zugleich mahnend. Zudem ist das Tagebuch unglaublich zeitlos. Nicht nur, weil wir uns bei der Lektüre fragen müssen: "Was passierte damals? - Was passiert heute?", so Melis Kiran, sondern auch, weil diese 14-Jährige Sätze wie den Folgenden geschrieben hat: "Wie herrlich ist es, dass niemand eine Minute zu warten braucht, um damit zu beginnen, die Welt langsam zu verändern."

Für zwei Schülerbegleiter gab es am Sonnabend übrigens gleich den ersten Einsatz. Knapp 30 Konfirmanden aus Stendal und Umgebung ließen sich über Anne Franks Geschichte informieren.