Stendal l Dröhnt die Musik zu laut aus dem Fenster, ragt ein Ast über den Zaun und verliert dort seine Blätter führt das nicht selten zu Zwist unter Nachbarn, der bis zu Gericht führt. Es muss gerichtet werden.

Es geht auch anders: Schlichten statt Richten ist das Ziel der Schiedsleute, die in den Kommunen ehrenamtlich tätig sind. 72 sind in der Bezirksvereinigung Stendal des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen aktiv, dessen Gebiet die Amtsgerichtsbezirke Stendal, Salzwedel, Gardelegen und Burg umfasst. Am Sonnabend trafen sich rund 30 von ihnen zur Jahreshauptversammlung im Stendaler Rathaus.

Friedrich Kersten, Vorsitzender der Bezirksvereinigung, sprach von einem "guten Jahr" und würdigte so die Leistung der Schiedspersonen. Noch nicht rund in der Bezirksvereinigung läuft es bei der Kommunikation, wie die Diskussion zeigte. Sie drehte sich fast ausschließlich um einen mangelnden Internetauftritt und -zugriff. "Die Internetbearbeitung steht immer noch auf wackligen Beinen", bedauerte Kersten.

Dagegen sei die Vereinigung bei Schulungen auf einem guten Weg. So berichtete Kersten von einer Zusammenkunft für den Amtsgerichtsbezirk Stendal mit vielen Hinweisen und Anregungen, zu dem Amtsgerichtsdirektor Kay Timm eingeladen hatte. "Ich habe hinterher nur Positives gehört", sagte Kersten.

"Prozesse kosten Geld, Zeit und Nerven." - Haide Sonnenberg, Vizepräsidentin des Landgerichtes Stendal

Timm, der am Sonnabend zu den Gästen zählte, pflichtete ihm bei. Er sei nicht nur gekommen, um den Schiedsleuten Respekt für ihre Arbeit zu zollen, sondern auch, um für Weiterbildung zu werben. "Mögen Sie die Streitfälle so schlichten, dass alle zufrieden sind", wünschte er seinen ehrenamtlichen Mitstreitern.

Haide Sonnenberg, Vizepräsident des Landgerichtes Stendal, bat die Schiedsleute: "Bitte lassen Sie in Ihrem Engagement nicht nach!" Sie schätzte ein, dass die außergerichtliche Streitschlichtung an Bedeutung gewinne und begründete: "Prozesse kosten Geld, Zeit und Nerven."

Und Streit sorgt mitunter auch für Polizeieinsätze, wie Torsten Müller vom Polizeirevier Stendal klar machte. Es gebe Fälle von Nachbarschaftsstreit, bei denen die Beamten mehrfach an den gleichen Ort gerufen würden. Da sieht Müller "ein großes Feld der Zusammenarbeit mit den Schiedsleuten". Während nämlich die Polizei vorrangig nur eingreifen könne, um die Wellen kurzzeitig zu glätten, hätten die Schlichter die Möglichkeit, Probleme zu klären und so den Streit aus der Welt zu schaffen.

Dazu dienen Gespräche und Schiedsverhandlungen. Die Vorbereitung einer Schiedsverhandlung stand im Mittelpunkt einer Weiterbildung, die sich an die Jahreshauptversammlung anschloss und die Kay Timm sowie Joachim Gülland, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen, leiteten.