Am Montag ist der erste Arbeitstag des neuen Sparkassen-Chefs Jörg Achereiner. Gleich am Nachmittag tagt der Verwaltungsrat. Die Aufarbeitung der Verfehlungen von Achereiners Vor-Vorgänger Dieter Bur­meister überschattet weiter das Kreditinstitut. Immer spannender wird dabei die Rolle der Politik.

Stendal l Dass Jörg Achereiner schon einen Monat früher anfängt, muss der Verwaltungsrat dann noch beschließen. Doch das dürfte für den 47-Jährigen, der zuletzt Vorstandsmitglied bei der Volksbank im ostfriesischen Leer war, nicht mehr als eine Formsache sein. Arbeit wartet dann ja genug.

Zinssenkung war 2003, Prüfung begann 2004

Auch der Prüfbericht über die so genannten Organkredite, die die Mitglieder des Gremiums selbst erhalten haben, wird wenig Neues bringen. Ihn hatten die Mitglieder des Kontrollgremiums bei der Sparkassenaufsicht des Finanzministeriums im Oktober in Auftrag gegeben. Damals war bekannt geworden, dass der heutige Kreistagsvorsitzende und Ex-Landrat Lothar Riedinger (CDU) hier bevorzugt worden sei.

Landrat Carsten Wulfänger (CDU) hatte auf der Sitzung des Kreistags am 6. November das Ergebnis der Prüfung bereits verraten. "Keine Beanstandungen" habe es für den Zeitraum von 2004 bis 2014 geben, erklärte Wulfänger.

Den von der Fraktion Landwirte/FDP gestellten Abwahlantrag überstand Riedinger danach mit 22 Ja- bei 23 Nein-Stimmen knapp. Die zuvor bekannt gewordene von Burmeister vorgenommene eigenmächtige Zinssenkung eines Riedinger-Kredits von 4,7 auf 3,0 Prozent stammt übrigens aus dem Jahr 2003.

Spannender und wohl auch kritischer dürfte es werden, wenn demnächst der Bericht vorliegt, der die genauen Geschäftsbeziehungen von Bur­meister mit Riedinger darlegt. Ihn hatte der Verwaltungsrat in seiner vorigen Sitzung ebenfalls in Auftrag gegeben. Dabei dürfte auch die Rolle weiterer Kreispolitiker interessant sein.

Sparkasse sieht Dienstpflicht verletzt

Bekannt ist bereits, dass der damalige Landrat Jörg Hellmuth (CDU) in einem Fall ein Überschreiten des Limits für einen Überziehungskredit freigab. In einem anderen Fall hatten die Mitglieder des Kreditausschusses einem Kredit gegen die Empfehlung der Sparkassen-Bearbeiter zugestimmt.

Diese Vorfälle beschäftigen inzwischen die Staatsanwaltschaft. Sie werden auch in den Prozess vor dem Landgericht einfließen, der in wenigen Tagen beginnt. Dieter Burmeister klagt dann gegen seine fristlose Entlassung.

Die Sparkasse begründet dies nicht zuletzt damit, dass ihr Ex-Chef seine Dienstpflicht in gravierender Weise und unzählige Male verletzt und seine Privatinteressen über die Belange des Kreditinstituts gestellt habe. Neben den zahlreichen Dienstwagen und den unkontrollierten Bauaufträgen rücken dabei jetzt auch Kreditvergaben in den Fokus. Allein im Fall Riedinger sei der Sparkasse dadurch ein Schaden von mehr als einer halben Million Euro entstanden, heißt es.

Achereiner selbst hatte bei seiner Vorstellung in der vorigen Woche versprochen: "Wir werden mit der Vergangenheit offen umgehen. Die Wahrheit gehört ans Tageslicht."