Ein Lichtblick in der dunklen Jahreszeit: Das Weihnachtsprogramm des Theaters. In diesem Jahr werden die "Weihnachtserinnerungen" von Truman Capote, erzählt und gespielt. Die Premiere am Sonntag verzauberte das Publikum.

Stendal l Hannes Liebmann erzählt, Tom Weber und Angelika Hofstetter spielen. Eigentlich möchte man Liebmanns sonore Stimme ohne Unterlass hören. Andererseits, wenn Weber und Hofstetter anfangen zu agieren, kann man nicht die Augen von ihnen lassen. Sie bestechen mit ihrer natürlichen, anrührenden, witzigen Art.

Stimmungsvoll im 30er-Jahre-Stil

Und dann ist da noch die Musik! Zwischendurch immer wieder Lieder wie "Santa Claus is coming to town" oder "The Christmas Song", gesungen von Andreas Müller. Mal swingig, mal rockig. Zum Dahinschmelzen schön! Begleitet wird Müller von Jakob Brenner am Flügel (auch musikalische Leitung), Sebastian Bauer am Kontrabass und Simon Schröder am Schlagzeug. Die vier Männer bieten einen echten Hörgenuss und sind mit ihrer 30er-Jahre-Kleidung zusätzlich ein Hingucker. Insgesamt eine stimmige und stimmungsvolle Ausstattung von Mark Späth.

Truman Capotes "Weihnachtserinnerungen" handeln in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der siebenjährige, elternlose Capote wohnt bei Verwandten in einem großen Haus in Alabama. Seine einzige Freundin ist die viel ältere Sook ("Klein und lebhaft wie ein Zwerghuhn"). Beide sind Außenseiter in der Familie, leben in ihrer eigenen, von Ritualen bestimmten Welt. Eines davon ist das Früchtekuchenbacken. Regelmäßig im November heißt es: "Oje, es ist Früchtekuchenwetter." Dann werden die mühsam zusammengesparten Dollar und Cent, "der Früchtekuchenfond", gezählt, die Zutaten besorgt und gebacken. 30 Kuchen müssen es sein, denn Präsident Roosevelt, der nette Busfahrer, das Pärchen, das im letzten Sommer eine Panne vor dem Haus hatte - alle sollen einen von Sooks Whisky durchtränkten Kuchen haben. Und dann muss noch der Weihnachtsbaum besorgt werden...

Es ist eine berührende Geschichte über eine wunderbare Freundschaft. "Weihnachtserinnerungen" bringt das Publikum zum Lachen, lässt es wieder und Kind sein, treibt zum Schluss auch ein paar Tränen in manches Auge. Die jedoch durch das Schlusslied schnell getrocknet werden. 70 Minuten lang können Zuschauer sich vom diesjährigen Weihnachtsprogramm (Regie Alexander Netschajew) verzaubern lassen.

Nächste Vorstellungen: Mittwoch, 3. Dezember, 19.30 Uhr; Donnerstag, 4. Dezember, 16 Uhr, Sonnabend, 6. Dezember, 18 Uhr.

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