Das Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal ist fest in der Altmarkmetropole verwurzelt. 1861 öffnete es seine Pforten, um Menschen in Not zu helfen. Die Zeiten haben sich gewandelt, der Anspruch ist geblieben. Die Volksstimme stellt in einer Serie Personen vor, die dem Krankenhaus ein Gesicht geben: Heute: Dr. Evelyn Weinstrauch

Stendal l 1999 wurde am Stendaler Krankenhaus die Strahlenklinik aufgebaut. Knapp zwei Jahre später stieß Dr. Evelyn Weinstrauch zum Team. Heute ist die Altmärkerin, Jahrgang 1971, Oberärztin für Radioonkologie und damit rechte Hand von Chefarzt Professor Jens Bahnsen.

Evelyn Weinstrauch erinnert sich: "Professor Bahnsen hatte mich angesprochen, ob ich mir eine Arbeit in der Strahlenklinik vorstellen könnte." Sie konnte. Und so wechselte sie von der Abteilung für Innere Medizin, wo sie als Ärztin im Praktikum tätig war. Das war ihre erste berufliche Station nach dem Studium, das sie von 1992 bis 1998 in Magdeburg absolviert hatte. In der Strahlenklinik machte sie ihre Facharztausbildung, seit 2007 ist sie Fachärztin für Strahlentherapie.

"Oft haben Patienten einen langen Leidensweg hinter sich mit Physiotherapie und Spritzen."

Vornehmlich kommt die Strahlentherapie bei Krebspatienten zum Einsatz. "Bei Tumorpatienten beispielsweise setzen wir Linearbeschleuniger ein, um die Tumorzellen so zu schädigen, dass sie absterben", erklärt die Ärztin auf Volksstimme-Bitte für den Laien. Die Klinik rückt aber auch Gelenkproblemen zu Leibe. "Fersensporn und Tennisarm unter anderem werden mit Röntgenstrahlen behandelt. Oft haben Patienten mit diesen Beschwerden einen langen Leidensweg hinter sich mit Physiotherapie und Spritzen", so Weinstrauch.

Die Entscheidung für das Fachgebiet hat sie nie bereut. Das Interesse dafür sei natürlich da, macht sie klar. Und sie fügt an: "Ich glaube, ich kann mich recht gut mit Krebspatienten unterhalten, mit ihnen über alles sprechen, über das Leben, auch über den Tod." Auch wenn das nicht immer leicht sei, gelinge es ihr, "nicht alles mit nach Hause zu nehmen und gut zu schlafen". Das sei auch notwendig, um am nächsten Tag im Arztkittel wieder ihre Frau zu stehen. Rund 1000 Patienten werden jährlich in der Stendaler Strahlenklinik behandelt. Nicht nur aus der Altmark, auch aus der Prignitz sowie aus dem Raum Lüchow und dem Raum Rathenow.

"Ich kann mit Krebs- patienten über alles sprechen, über das Leben, auch über den Tod."

Im zarten Alter von 15 Jahren entdeckte Evelyn Weinstrauch, damals hieß sie noch Kutz, den Arztberuf als ihren Traumberuf. "Volker Dornheim hat mich motiviert - durch seine Art und durch sein Erzählen von seiner Arbeit. Das war damals sehr spannend", erzählt sie. Dornheim arbeitete viele Jahre in Stendal, hatte als Sportarzt auch Leichtathletin Evelyn regelmäßig unter seinen Fittichen.

Doch noch lag ein langer Weg vor ihr. Die gebürtige Stendalerin, die kurzzeitig in Kläden und Magdeburg wohnte, bevor die Familie in Stendal sesshaft wurde, führte ihre Sportbesessenheit 1988 nach Berlin. An die Sportschule. Dazu sattelte die Leichtathletin um - zum Florettfechten. Weinstrauch: "Dann kam die Wende. So richtig wusste niemand, wie es weitergeht. Ich wollte mein Abi machen und ging zurück nach Stendal." Das Abitur machte sie an der Winckelmannschule. Und schlug den akademischen Weg ein.

Die Rückkehr in die Altmark war auch sportlich ein Glücksfall. Evelyn Weinstrauch fand zurück zur Leichtathletik, sicherte sich Mitte der 1990er Jahre den Landesmeistertitel im Siebenkampf. Nach ihrem Umzug nach Schinne gründete die Mutter von zwei Söhnen (12 und 11 Jahre) sowie einer Tochter (4) gemeinsam mit Ehemann Ronald den Leichtathletikverein Schinne, der inzwischen 60 Mitglieder zählt, und ist dort eine von vier Trainern.

Der Kalender der Ärztin ist also vollgepackt. "Man muss sich schon organisieren. Das klappt aber ganz gut, zumal meine Eltern und Schwiegereltern in Stendal uns unterstützen", sagt Evelyn Weinstrauch. Neben dem Sport findet sie Entspannung auch in der Musik. Zum Weihnachtsfest gehört Hausmusik bei Weinstrauchs dazu, wobei Frau Doktor am Keyboard steht.