Wie geht es weiter mit der Abfallwirtschaft im Landkreis? Ein Konzept, das am Dienstag im Umweltausschuss vorgestellt wurde, fasst die diesbezüglichen Vorstellungen und Ziele der Kreisverwaltung zusammen.

Stendal l Das Wichtigste zuerst: An der Gebührenschraube soll bis zum 31. Dezember 2016 nicht gedreht werden. Die Mitglieder des Umweltausschusses stimmten einer separaten Vorlage zu, die am 18. Dezember vom Kreistag beschlossen werden soll. Demnach wird ein Drei-Personen-Haushalt auch künftig mit rund 99 Euro Abfallgebühr pro Jahr rechnen können (siehe Info-Kasten). Die genauen Gebührenhöhen sind im Abfallkalender 2015 abgedruckt. Er wird ab Mitte Dezember verschickt.

Ausgangspunkt des neuen Abfallwirtschaftskonzeptes ist die Analyse des Ist-Zustandes, die Denis Gruber (SPD), Erster Beigeordneter des Landrates, den Ausschussmitgliedern vortrug. Erste für das Abfall-aufkommen im Landkreis relevante Größe ist die Bevölkerungsentwicklung. 2013 lebten rund 116000 Menschen in der Ostaltmark. 2008 waren das noch 126661 und im Jahr 2024 werden es voraussichtlich weniger als 100000 sein.

Zahl der Biotonnen soll weiter erhöht werden

Das spiegelt sich in den Abfallmengen wider. Bereits heute ist der Landkreis Stendal derjenige mit dem geringsten Hausmüllaufkommen im Land. Pro Einwohner werden im Jahr 59 Kilogramm erfasst. 2008 waren es 81 Kilogramm. Vom weiteren Sinken dieser Mengen ist auszugehen.

Anders beim Altpapier. Über die vergangenen sechs Jahre hat sich das Aufkommen je Einwohner nicht verändert, liegt bei konstant 69 Kilogramm im Jahr. Bedingt durch die rückläufige Einwohnerzahl wird die absolut erfasste Menge an Altpapier in den kommenden Jahren aber auch sinken.

Bioabfälle werden im Landkreis zum größten Teil über die Biotonne entsorgt. 68 Prozent oder 79000 Einwohner nutzen die Biotonne derzeit, so Gruber. Über sie werden pro Jahr und Einwohner 141 Kilogramm eingesammelt. Der Landkreis Stendal gehöre zu den deutschlandweit 20 Landkreisen mit den höchsten Biogut-Erfassungsmengen. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Gruber: "Wir rechnen weiterhin mit der sukzessiven Erhöhung des Anschlussgrades bei der Biotonne."

Die Kompostierung von Bioabfall ist bis 2015 vertraglich gesichert. Für den Zeitraum ab 2016 wird neu ausgeschrieben, war von Madlen Gose, Geschäftsführerin der Abfall-entsorgungsgesellschaft zu erfahren. Sie befasste sich mit den im Abfallwirtschaftskonzept gestellten Prognosen. Die besagen, dass die Hausmüllmenge pro Einwohner bis zum Jahr 2014 um ein bis zwei Kilogramm pro Jahr sinken wird. Bei Sperrmüll gehen die Autoren des Stendaler Abfallwirtschaftskonzeptes, eine Berliner Umwelt GmbH, davon aus, dass die Menge mit 32 Kilogramm pro Kopf und Jahr konstant bleibt. Auch bei den Leichtverpackungen, bei Altglas, Papier, Holz und Schrott wird in den nächsten zehn Jahren nicht mit gravierenden Veränderungen im Mengenaufkommen pro Kopf gerechnet.

Zu den Schlussfolgerungen, die das Abfallwirtschaftskonzept zieht, gehört ein Maßnahmeplan. In ihm wird unter anderem vorgeschlagen, ab dem kommenden Jahr die Eigenkompostierung von Bioabfall zu unterstützen, die Annahme von Kunststoffen auf den Recyclinghöfen zu erweitern, das System der Sperrmüllsammlungen zu überdenken und Alternativen zur Sammlung von Elektrogroßgeräten zu prüfen.

Vorschlag von Sachkundigem fand kein Gehör

Der Ausschuss stimmte dem Konzept zu. Der Vorschlag von Dietrich Schulze - er ist als sachkundiger Einwohner Mitglied des Umweltausschusses -, das Abfallwirtschaftskonzept noch einmal in die Verwaltung zurückzugeben, um aus seiner Sicht darin enthaltene Fehler und Mängel zu beseitigen, fand kein Gehör. Schulze hatte auf sechs Seiten aufgeschrieben, was ihm schlecht geregelt erscheint, und Fragen gestellt. Was er bekam, war lediglich die Zusicherung von Gruber, seine diesbezüglichen Fragen bis zur kommenden Woche zu beantworten.