Stendal l Der langjährige Vorstandsvorsitzende des Kreditinstituts klagt vor der Ersten Zivilkammer gegen seine fristlose Entlassung und die Streichung seiner Versorgungsbezüge. Gestern ergriff der 65-Jährige erstmals selber das Wort.

Als es um den Vorwurf seiner zu häufig gewechselten Dienstwagen ging, sagte Burmeister: "Herr Hellmuth hat das immer gesehen. Alle Mitarbeiter, die aus dem Fenster geguckt haben, konnten sehen, welches Fahrzeug gefahren wurde."

Auch Burmeisters Anwalt Gerald Zimmer betonte mit Blick auf den ehemaligen Landrat Jörg Hellmuth (CDU): "Das ist nie beanstandet worden vom Verwaltungsrat oder dessen Spitze. Obwohl das genau bekannt war."

Burmeister und Zimmer verwiesen zudem darauf, dass weder bei der internen Revision noch bei einer Sonderprüfung des Fuhrparks durch den Ostdeutschen Sparkassenverband (OSV) für das Jahr 2011 Einwände erfolgt seien.

Statt Aktenkontrolle Besuche auf der Baustelle

Burmeister verbittert: "Das ist die eigentliche Gemeinheit: Mich nach Hause zu schicken und dann zuzuschlagen, als ich wehrlos war."

Die Vorsitzende Richterin Haide Sonnenberg gab sich unbeeindruckt. Sie wollte von Burmeister vielmehr wissen "Haben Sie mal Bauunterlagen geprüft?" "Das habe ich nicht als meine Aufgabe angesehen", entgegnete der. Der Vorstand sei "nicht der bessere Revisor". Er habe vielmehr "meine Aufgabe in der realen Kontrolle" gesehen: "Beim Ausbildungszentrum habe ich mich nahezu jeden zweiten Tag auf der Baustelle umgeschaut und mit den Handwerkern gesprochen."

Schwerste Mängel im Prüfsystem der Sparkasse während der Ära Burmeister verdeutlichte anschließend Wirtschaftsprüfer Hermann Dreyer. Beim für die Sparkassen-Bauten zuständigen Abteilungeleiter Gerhard U. sei das

Vier-Augen-Prinzip ausgehebelt gewesen. U. habe zudem seine Kompetenzen missbraucht und Aufträge an den Vorschriften vorbei gestückelt. "Vermerke über Kontrollen haben wir generell nicht vorgefunden." Und: "Es gab keine ordnungsgemäß geführten Bauakten. Manchmal war da gar nichts", gab der OSV-Prüfer zu Protokoll. Sein Prüfbericht im vorigen Herbst machte die Dimension des Sparkassen-Skandals deutlich: Doppelabrechnungen, Scheinabrechnungen und überteuerten Rechnungen summieren sich demnach auf mehr als eine Million Euro.

Dabei habe der langjährige Chef selbst an den Vorschriften vorbei gehandelt. So ließ Bur-meister seine damalige Kollegin Kerstin Jöntgen bei Baumaßnahmen für die Poststraße 3 zwar bei einer Rechnung in Höhe von 79000 Euro mitzeichnen. Weitere Rechungen mit einem Volumen von 121000 Euro zeichnete er entgegen der Vorschriften jedoch allein mit Abteilungsleiter U. ab. Im Verwaltungsrat sei dann eine Woche später das Bauvolumen mit 100000 Euro beziffert worden.

Ende Januar werden weitere Zeugen vernommen. Schon jetzt ist absehbar, dass die drei angesetzten Verhandlungstage nicht ausreichen dürften.

Neben den Verfehlungen beim Fuhrpark und bei Bauvergaben macht die Sparkasse nunmehr auch einen weiteren Schaden von rund 1,75 Millionen wegen riskanter Kreditvergaben geltend. Hier soll auch Ex-Landrat Lothar Riedinger (CDU) begünstigt worden sein.