Roter plüschiger Mantel, rote Bommelmütze, weißer Bart - das ist Hartmut Thomas` Dienstkleidung. Der Tangermünder ist seit bald dreißig Jahren Stendals Weihnachtsmann. Hier erzählt er aus seinem Arbeitsleben.

Stendal l Ein Weihnachtsmann hat es auch nicht unbedingt leicht. Mal sind die Geschenke nicht recht, mal wird über die Stiefel gemeckert. Und gänzlich vorbei ist`s mit der guten Weihnachtsmann-Laune, wenn er gar enttarnt wird. Hartmut Thomas hat all das erlebt. Denn er ist Stendals Weihnachtsmann.

Heute Nachmittag hat er wieder seinen großen Einsatz, wenn er um 15 Uhr gemeinsam mit Oberbürgermeister Klaus Schmotz den Stendaler Weihnachtsmarkt eröffnet. Wie jedes Jahr kommt der weißbärtige Mann im roten Mantel in einem besonderen Gefährt angerauscht. Diesmal in einem Oldtimer - der Weihnachtsmann ist Beifahrer.

Ein bisschen aufgeregt ist Hartmut Thomas noch immer bei seinen Auftritten auf der Weihnachtsmarktbühne. Aber das verfliegt schnell: "Es macht mir Freude, Kinder und auch Erwachsene zu beglücken mit kleinen Geschenken", sagt der 60-Jährige. "Die funkelnden Augen der Kinder sind wie Applaus für mich."

Die Weihnachtsmarkt- Eröffnung ist Jahr für Jahr fester Termin in Hartmut Thomas` Kalender. Nur eine einzige hat er nicht persönlich vorgenommen. "Da waren die Trabers engagiert für einen Motorrad-Hochseilakt", erinnert er sich. Das wäre dann für den Weihnachtsmann doch etwas zu waghalsig gewesen. Wenngleich er durchaus höhentauglich ist, schließlich wurde er auch schon mal auf der Feuerwehrdrehleiter zur Eröffnung chauffiert. "Das war eine tolle Aussicht auf den Weihnachtsmarkt", schwärmt Thomas, für den die kurioseste "Anreise" aber immer noch die im Hundeschlitten war.

"Ein Gedicht oder Lied muss sein."

Und wie wird man überhaupt Weihnachtsmann? Ein Stellenangebot gibt es für sowas nicht. Und Hartmut Thomas ist jetzt schon so lange Weihnachtsmann, dass er sich an seinen genauen Dienstantritt gar nicht mehr erinnern kann. "Das muss so vor 28 Jahren gewesen sein. Ich habe damals im Kulturamt der Stadt gearbeitet und war da auch für den Weihnachtsmarkt zuständig. Da hab ich dann den Weihnachtsmann gleich noch mit gemacht."

Aber egal, seit wann nun genau - Hartmut Thomas erfüllt die Rolle des Weihnachtsmanns offenbar bestens. Wegen mangelnder Nachfrage jedenfalls braucht er sich nicht zu sorgen. Die erste Anfrage für dieses Jahr Weihnachten hatte er schon im Februar. Da wollte wohl jemand auf Nummer sicher gehen. Viele Familien buchen ihn schließlich gleich fürs nächste Jahr wieder - Stammgast seit fünf Jahren ist er bei einer Familie in Stendal. "Die Kinder können offenbar nicht genug von mir kriegen", erzählt er schmunzelnd.

Sieben bis zehn Familien besucht er an Heiligabend: in Stendal, in seinem Wohnort Tangermünde und in Heeren. Auch eine Buchung in Schönhausen hatte er mal. Die er dann allerdings verpasst hat. "Es gab Eisregen, ich kam anderthalb Stunden zu spät. Da war die Bescherung natürlich schon vorbei."

Der Zeitplan an Heiligabend ist streng eingeteilt. 16 Uhr ist der erste Termin, dann geht es in voller Montur per Auto nahtlos von Bescherung zu Bescherung. "Da wird es manchmal eng mit der Zeit, aber geblitzt wurde der Weihnachtsmann noch nicht", sagt Hartmut Thomas mit schelmischem Blick. Unterwegs trifft er natürlich auch die Konkurrenz - die anderen Weihnachtsmänner. "Man grüßt sich und wünscht frohe Weihnachten."

Auch wenn er im November und Dezember auf Weihnachtsfeiern, in Kindergärten und bei privaten Bescherungen viel zu tun hat - genießen kann Hartmut Thomas die Advents- und Weihnachtszeit trotzdem. "Es ist einfach eine schöne Zeit im Jahr, das ganze Flair ringsum ist anders, zu Hause wird dekoriert." Er selbst ist an Heiligabend erst um 20 Uhr zu Hause. Dann wird der rote Mantel samt Mütze, Perücke und Bart abgelegt und es ist - Weihnachten. "Die Kinder und Enkel sind da, dann gibt es Abendbrot und danach Bescherung."

Zu Hause hat er nur zweimal den Weihnachtsmann gespielt. "Dann haben sie mich erkannt. Von da an hab ich mit dem Nachbarn getauscht: Er hat hier Bescherung gemacht, ich in seiner Familie." Und seine Enkelin hat ihn mal richtig verblüfft. Da war sie gerade drei Jahre alt. Hartmut Thomas machte den Weihnachtsmann und sie begrüßte ihn mit den Worten: "Hallo, Opa!"

Wer sich nicht daran stört, zu wissen, dass der Stendaler Weihnachtsmann eigentlich ein Tangermünder Alleinunterhalter ist, kann ihn ab heute bis Sonntag immer um 15 Uhr auf dem Stendaler Weihnachtsmarkt besuchen. Und bekommt vielleicht ein Geschenk. Aber, so Thomas: "Ein Gedicht oder Lied muss sein. Und wenn ich dreimal hintereinander dasselbe höre."