Viele Menschen in Sachsen-Anhalt verbinden Tangermünde heute mit dem Töpfermarkt oder den offenen Höfen am zweiten Adventswochenende. Dass das so ist, daran hat eine Frau ganz besonders großen Anteil. Beide Aktionen sind einst von ihr ins Leben gerufen worden. Angelika Otto machte die kleine mittelalterliche Stadt damit weit über die Backsteinmauern hinweg bekannt.

Tangermünde l "Diese schöne Stadt allein sichert uns nicht unsere Zukunft." Darin ist sich zumindest Angelika Otto sicher. Deshalb bedarf es Ideen, Aktionen und immer wieder neuer Angebote. In der Langen Straße von Tangermünde eröffnete sie kurz nach der Jahrtausendwende ihre Keramikwerkstatt. Seitdem ist sie Teil dieser Gemeinde, Bestandteil des geschäftlichen und vor allem kulturellen Lebens.

Aber ein Teil zu sein, genügt nicht. Das hatte die Mutter dreier erwachsener Kinder schnell erkannt und setzte ihre erste Idee in der Stadt in die Tat um, "die schon während der Bauzeit am Haus in der Langen Straße 80 gereift war", erinnert sie sich. In Gesprächen mit Tangermündern und Berufskollegen auf Töpfermärkten überall im Land vollendete sich das Bild vom eigenen Töpfermarkt.

Vor elf Jahren fand er das erste Mal statt. "Damals noch hinter dem historischen Rathaus, weil zu dieser Zeit in der Innenstadt gebaut wurde", sagt die Unterstufenlehrerin. 15 bis 20 Handwerker und Keramiker holte sie in die Stadt an der Elbe. Mit ihnen kamen bereits im ersten Jahr viele Besucher. Die Resonanz war überwältigend. Davon ermutigt, gab es Pläne für einen zweiten, dritten und letztendlich auch 10. Töpfermarkt an diesem Standort.

"Meine Kinder brachten mich auf die Idee."

Gewachsen auf etwa 50 Aussteller stand die ehemalige Griebener Lehrerin für Kunst und Sport vor der Entscheidung, den Markt aufzugeben oder einen anderen Standort zu wählen. "Meine Kinder brachten mich da auf die Idee, es am Hafen zu versuchen", sagt sie. Das Ergebnis war der 11. Töpfermarkt, der vor wenigen Wochen bei schönstem Spätsommerwetter abermals schaulustige Gäste an die Elbe lockte. Hier soll er auch 2015 am dritten Oktoberwochenende stattfinden.

Angetrieben von diesem Erfolg, aber auch von dem Wunsch, in der Adventszeit für etwas Besonderes in der Stadt zu sorgen, brachte Angelika Otto vor sieben Jahren die Besitzer von Häusern der Innenstadt dazu, ihre Höfe dann zu öffnen, wenn in der Stadt ohnehin Trubel herrscht - nämlich auf Neumannschem Hof und am Rathaus Weihnachtsmärkte Besucher anlocken. Und auch diese Idee ging auf. Das Adventswochenende in Verbindung mit den offenen Höfen erreichte Burgfestniveau, brachte die kleine Stadt im übertragenen Sinne zum Platzen, ließ Parkplätze rar werden, Besucher sich durch die Stadt schieben.

Nach sieben Jahren haben die Höfe ihren Weg gefunden, wissen, womit sie locken können, probieren immer wieder Neues aus, sind kreativ und einfallsreich. Einige haben sich von der Idee verabschiedet, andere sind neu hinzugekommen.

Doch insgesamt lebt die Stadt von und mit dieser idyllischen Bereicherung, erntet jede Menge Lob und vor allem Besucher, die immer wieder im Advent

nach Tangermünde kommen.

Mit dabei ist Angelika Otto seit neun Jahren auch beim Stendaler Weihnachtsmarkt. Der im großen Saal des Rathauses angebotene Töpfermarkt entstand in Zusammenarbeit mit Michael Stahnke von der Stadt Stendal. "Auch dieser Markt hat sich wie jedes Handwerk etabliert und ist zu einem festen Bestandteil dieses Weihnachtsmarktes geworden", freut sich die Kera mikerin.

Aber auch nach diesen erfolgreichen Inszenierungen in Tangermünde und Stendal hat Angelika Otto noch immer nicht "ausgeträumt". "Ich lebe nach dem Motto: Glaubt mir, es sind vor allem die kühnen Träume und die kleinen Verrücktheiten, die das Leben lebenswert machen", erzählt sie. Eine "kleine Verrücktheit" habe sie sich mit der kunterbunten Bank vor ihrer Werkstatt "geleistet", berichtet sie schmunzelnd. Die Idee dazu war während eines Spanienaufenthalts geboren. Die deutsche Antragsflut hatte sie in Kauf genommen, Menschen wieder einmal von ihren Wünschen überzeugt und letztendlich daran gearbeitet - mit heimischen Handwerkern entstand "d e r Hingucker" am Neustädter Tor, auf dem nun jeder Platz nehmen, sich ausruhen, den Blick auf die Nikolaikirche und das Tor genießen kann.

"Freunde und Bekannte, die Ideen mittragen."

Als "kühnen Traum" bezeichnet sie selbst ihren Wunsch, das Neustädter Tor wieder begehbar zu machen. Als Lehrerin, die sie bis 1999 war, durfte sie noch mit einer Klasse noch oben steigen. Doch das ist heute nicht mehr erlaubt. "Dabei könnte man daraus ein wunderschönes Kleinod schaffen, mit Ausstellungen beleben", sind ihre Vorstellungen.

Bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützen sie in erster Linie ihre Kinder. "Doch im Laufe der Zeit sind auch viele Freunde und Bekannte hinzugekommen, die meine Vorschläge mittragen", berichtet die Tangermünderin, dankbar, sie alle an ihrer Seite zu wissen.