Stendal l Der 36-jährige Angeklagte in dem Prozess um eine Parkfestschlägerei in Tangerhütte am 1. Juni dieses Jahres wurde zumindest am ersten Prozesstag von dem Berliner Rechtsanwalt Wolfram Nahrath, einer schillernden Figur, die oft im Medienfokus steht, als Wahlverteidiger vertreten. Dabei handelte es sich in dem Verfahren nicht um einen Fall notwendiger Verteidigung, wie sie die Strafprozessordnung vorsieht, erfuhr die Volksstimme auf Nachfrage.

Der 52-jährige Jurist gilt nach Medienberichten als "Szeneanwalt". Er ist Mitglied der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und war bis zu deren Verbot 1994 Chef der rechtsextremen Wiking-Jugend. Nahrath ist aktuell in dem sogenannten NSU-Prozess am Oberlandesgericht München Pflichtverteidiger des Angeklagten Ralf Wohlleben.

Schulhof-CD-Prozess endete 2010 mit Freispruch

Nahrath ist zudem in Stendal kein Unbekannter. Er verteidigte einen ehemaligen Musikproduzenten aus Kuhlhausen bei Havelberg in dem bundesweit als Schulhof-CD-Prozess bekannt gewordenen Verfahren. Das durchlief von 2006 bis 2010 mehrere Instanzen, vom Amtsgericht Stendal bis zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe, und endete letztlich mit Freispruch durch das Landgericht Stendal. Im Fokus standen dabei rechte Liedtexte auf einer CD, die 2004 bundesweit auf Schulhöfen an Kinder verteilt worden war.

An allen Tagen besondere Sicherheitsvorkehrungen

Auffällig an dem jetzigen Prozess um die Parkfestschlägerei in Tangerhütte war, dass dieser an allen Verhandlungstagen unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen stattfand. So waren auch am Tag der Urteilsverkündung etliche Justizwachtmeister und Polizisten in Zivil im Saal, teils mit schusssicheren Westen ausgerüstet und mit Dienstwaffen im Holster. Erklärungen gab es dafür keine von Seiten der Justiz.

Bezüge zur rechten Szene traten im Prozess nicht zutage. Es wurde lediglich unter den Zuschauern Bekleidung einer Marke gesehen, die in der rechten Szene sehr beliebt ist.