Arztpraxen, Apotheke und Seniorenwohnpark in der Region Tangerhütte haben bislang keine neuen gelben Tonnen erhalten. Der neue Entsorger, die Tangerhütter "Cont-Trans Entsorgung" will erst prüfen, ob solche "gewerblichen Anfallstellen" überhaupt berechtigt sind, am dualen System teilzunehmen.

Tangerhütte l Schon im November hatte der Tangerhütter Frank Dreihaupt, Stadtrat, Zahnarzt und Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalts darauf hingewiesen, dass die neue gelbe Tonne für seine Praxisgemeinschaft nicht ausreichen könnte. Bislang wurde in Tangerhütte noch über gelbe Säcke entsorgt.

Doch das Problem des nicht ausreichende Platzes tritt vor einem anderen Problem zurück: Bislang hat Dreihaupt, wie auch andere Gewerbetreibende in der Region und Institutionen wie der Seniorenwohnpark, überhaupt keine gelbe Tonne bekommen.

Eigentlich sollte die Umstellung der gelben Tonne reibungslos erfolgen. Auch in der Zahnarztpraxis in Grieben, die zur Praxisgemeinschaft Dreihaupt und Partner gehört, gab es bereits vorher eine gelbe Tonne. Die wurde vom bisherigen Entsorger, Alba, abgeholt. Eine neue gab es für die Praxis aber bisher nicht. Dafür sollen einige Mitarbeiter andernorts gleich mit mehreren Tonnen bestückt worden sein.

Doch trotz mehrfacher Nachfragen beim neuen Entsorger in Tangerhütte, sowie bei der für die Abfallentsorgung im Landkreis zuständigen ALS Dienstleistungsgesellschaft kam Frank Dreihaupt nicht weiter. Widersprüchliche Auskünfte, wiederholte Telefonate und persönliche Besuche bei der Cont-Trans brachten bisher nichts und das ärgert ihn gewaltig.

Immerhin werde die Entsorgung über das sogenannte duale System durch den Kaufpreis bereits finanziert, auch Folien- und Mischverpackungen, wie sie im Praxisalltag anfallen, seien mit dem grünen Punkt ausgestattet, erklärt er.

Ähnlich wie Dreihaupt ging es auch Apotheker Thomas Kruse. Zwar habe er auf Empfehlung inzwischen noch mal per E-Mail eine gelbe Tonne bei Cont-Trans beantragt und die Antwort bekommen, er würde noch eine erhalten, bis zum 23. Dezember aber war die nicht da. Kruse stellt sich nun, wie auch die Praxis nebenan, die Frage: "Wohin mit den Leichtverpackungen für die gelbe Tonne?". Scherzhaft schlägt Frank Dreihaupt bereits vor, seine gelben Säcke ab Januar ganz persönlich zur Cont-Trans zu bringen. Eine Zusatzgebühr von zehn Euro für eine größere Tonne habe man ihm angeboten, geliefert wurde trotzdem keine.

Wie Madlen Gose, Geschäftsführerin der ALS als kommunales Abfall-Unternehmen des Landkreises, auf Volksstimme-Anfrage informierte, sei "das kostenlose Rücknahmesystem für gebrauchte lizenzierte Verkaufsverpackungen nach der Verpackungsverordnung" nicht Sache des Landkreises, sondern von zehn dualen Systembetreibern, die für den Bereich des Landkreises durch das Unternehmen "Der Grüne Punkt - Duales System Deutschland" (kurz: DSD) vertreten werden.Neuer Vertragspartner der DSD ist ab 2015 die Firma "Cont-Trans-Entsorgung". In Absprache mit der Cont-Trans erklärt Madlen Gose gleichzeitig, dass das Rücknahmesystem der Verkaufsverpackungen nur für private Endverbraucher (Privathaushalte) und "vergleichbare Anfallstellen" gelte. Und genau dort scheint das Problem zu liegen, denn für Gewerbeabfälle und Transportverpackungen sei das System nicht gedacht, erläuterte Denis Gruber als zuständiger Dezernent im Landkreis dazu noch einmal.

Cont-Trans will nun zunächst die gewerblichen Anfallstellen prüfen und spricht auf wiederholte Nachfrage der Volksstimme davon, dass "berechtigte Gewerbetreibende" in den kommenden Tagen mit entsprechenden Tonnen ausgestattet werden sollen. Bis dahin sollen die Verkaufsverpackungen - "nicht aber gewerbliche Kunststoffabfälle" in durchsichtigen Säcken bereitgestellt werden. So könnten die Müllwerker erkennen, ob es sich tatsächlich um solche Verpackungen handelt, teilt die ALS-Geschäftsführerin mit.