Tangermünde l Neun Feuerwehrmänner aus der Stadt Tangermünde mussten in der Silvesternacht die Finger vom Alkohol lassen, sie hatten Dienst. Kurz nachdem in der Neujahrsnacht um 3.23 Uhr der Alarm ausgelöst wurde, fanden sich allerdings 20 Kameraden am Gerätehaus ein. Zwischen den Ortschaften Hämerten und Storkau mussten sie, gemeinsam mit fünf Kollegen aus Hämerten, einen jungen Mann aus seinem Auto befreien. Er war mit seinem Golf gegen einen Baum gefahren (Volksstimme berichtete gestern). Seit mehreren Jahren war dies wieder ein Einsatz in der ersten Nacht des Jahres. "Früher brannte mal ein Papier- oder ein Kleidercontainer", erinnert sich Stadtwehrleiter Michael Classe. "Mindestens vier oder fünf Jahre hatten wir dann aber Ruhe", fügt er hinzu.

Notfallseelsorge wird immer wichtiger

Obwohl er und seine Kameraden in 2014 vor spektakulären Großeinsätzen verschont blieben, Classe klopft auf Holz, kann von einem ruhigen Jahr 2014 keine Rede sein. Knapp 70 Mal mussten die Tangermünder Retter aus ihrem Gerätehaus ausrücken. Auch die Mitglieder der Ortswehren aus Bölsdorf, Hämerten, Langensalzwedel, Storkau, Miltern, Grobleben und Buch waren gefragt, die Zahl ihrer Einsätze hielt sich allerdings im einstelligen Bereich. 31-mal mussten die Tangermünder Brände bekämpfen, 34-mal wurde ihre technische Hilfe benötigt. Auch einen Fehlalarm gab es.

Ein Einsatz am Unfallort ist Zugführer Stephan Siefert noch in besonderer Erinnerung. Zwischen Weißewarte und Bölsdorf wurde ein Mann bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass der Rettungshubschrauber gerufen werden musste. Vor Ort waren auch die Feuerwehrleute aus Buch. "Diese haben wir dann aber aus dem Einsatz rausgelöst", so Siefert. Der Schwerverletzte war nämlich einer der ihren, ein Kamerad aus Buch. Schnell würden dann emotionale Aspekte eine große Rolle spielen. Anschließend wurden die Einsatzkräfte nachbetreut, man sprach über das Erlebte. Die Notfallseelsorge werde immer wichtiger.

Im Gedächtnis blieb darüber hinaus eine Brandserie in Hämerten, die bereits 2013 begann. Nach und nach standen Mülltonnen, eine Scheune und ein Pkw in Flammen. Schnell kam der Verdacht der Brandstiftung auf und bei den Hämertern lagen die Nerven blank. Ein Verdächtiger sei mittlerweile festgenommen worden, so Siefert. Vollständig sei die Brandserie aber wohl noch nicht aufgeklärt.

Darüber hinaus war für die Tangermünder Kameraden 2014 das Jahr der Unwetter. Allein am 11. Juni, als der Starkregen die Stadt überflutete, war die Feuerwehr zwischen 12 und 19 Uhr an 20 verschiedenen Stellen gefragt. Keller mussten ausgepumpt, die Kanalisation frei gehalten und Ölspuren beseitigt werden. Auch eine Kellerdecke war eingestürzt. Am 4. August folgte ein weiterer sintflutartiger Regenguss und die Feuerwehr musste vier Mal raus.

Ein Weihnachtsgeschenk vom Stadtrat

Michael Classe versäumt aber nicht, die positiven Seiten der vergangenen zwölf Monate hervorzuheben. "Mit André Döbbelin haben wir wieder einen hauptamtlichen Gerätewart für die acht Ortswehren der Einheitsgemeinde", bedankt er sich bei Verwaltung und Stadtrat dafür, dass diese Stelle geschaffen wurde. Es sei immer schwieriger geworden, die Arbeit, von der ein Großteil im Büro erledigt werden müsse, im Ehrenamt zu leisten. Am 1. August nahm Döbbelin seine Arbeit auf und er wird von den ehrenamtlichen Gerätewarten vor Ort unterstützt.

Auch für einen weiteren Stadtratsbeschluss bedankte sich der Stadtwehrleiter: "Dass die Aufwandsentschädigung nicht unwesentlich erhöht wurde, war für die Kameraden schon ein schönes Weihnachtsgeschenk." Angesichts der angespannten Haushaltslage sei dieser einstimmige Beschluss keine Selbstverständlichkeit gewesen.

Positiv hob der Feuerwehrchef darüber hinaus das Zusammenwachsen der acht Ortswehren zu einer einsatzstarken großen Stadtwehr hervor. Alle Kameraden hätten diese Entwicklung mitgetragen und mittlerweile gebe es in allen acht Ortswehren qualifizierte Wehrleiter und in fast allen qualifizierte Stellvertreter. Gemeinsame Übungen seien mittlerweile selbstverständlich und werden auch in den kommenden zwölf Monaten wieder auf der Tagesordnung stehen.

58 Kameraden sind derzeit allein in Tangermünde im aktiven Dienst, zur Ehrenabteilung gehören 21 Personen und 20 Mitglieder der Jugendwehr sowie 13 in der Kinderfeuerwehr stellen den Nachwuchs. Verstärkung ist trotzdem herzlich willkommen, wirbt Classe um weitere Helfer. Wer sich für eine Mitgliedschaft in der Feuerwehr interessiert, ist jeden Dienstag ab 19 Uhr zu den Fort- und Ausbildungsabenden im Tangermünder Gerätehaus gern gesehen. In den übrigen Ortschaften sind die Ortswehrleiter die Ansprechpartner.

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