Die Islamische Gemeinde Stendal ist schockiert über das Attentat von Paris. Diese Taten haben für sie nichts mit dem Islam zu tun. Der stehe nämlich für Frieden.

Stendal l "Allah hat gesagt, wer einen Unschuldigen tötet, hat alle Menschen getötet, und wer einen Menschen rettet, hat Menschen gerettet." So steht es in einer Pressemitteilung der Islamischen Gemeinde Stendal zum Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris. "Das hat nichts mit uns und dem Islam zu tun", sagte Gemeindevorsitzender Mohamed Msaik gestern Nachmittag im Gespräch mit der Volksstimme. Attentate würden oftmals mit dem Islam begründet, aber das stimme nicht. "Unser Prophet hat gesagt, verbreitet Frieden unter euch und den anderen Menschen", fügte er hinzu.

"Das sind größtenteils junge Leute die möglicherweise keine Arbeit oder andere Probleme haben", vermutete Abdul Saeed, stellvertretender Vorsitzender der Gemeinde. 300 bis 400 Millionen Moslems mag es auf der Welt geben. Das Bedauerliche sei aber, dass nicht die überwältigend große Mehrheit der friedlichen Gläubigen das Bild bestimmen, sondern die gewalttätigen und terroristischen Ausnahmen.

"Wir sind sehr traurig und dagegen, was in Paris passiert ist", sagte Saeed. Allerdings mache es ihn und viele seiner Glaubensbrüder auch traurig, wenn Karikaturen oder Filme sich lustig über den Islam oder ihn schlecht machen. "Es gibt doch so viele andere Themen, die viel interessanter sind", findet er.

Msaik stammt aus Libyen und ist seit drei Jahren in Deutschland. Er arbeitet als Arzt am Johanniter-Krankenhaus in Genthin. Saeed, der vor sieben Jahren aus dem Jemen nach Deutschland kam, ist ebenfalls Arzt - am Johanniter-Krankenhaus in Stendal. Beide haben noch nie direkte Feindseligkeiten gespürt oder wurden mit den Vorurteilen gegenüber Moslems oder dem Islam konfrontiert. Doch ihnen war es wichtig, den Schritt nach vorne zu tun und ihre Abscheu für den Anschlag auszudrücken. Er sei Verrat am Glauben, niemals Rache für Mohamed. Es seien Verbrecher, die einen Krieg zwischen den Religionen provozieren und die Extremisten der antiislamischen Gruppen aufheizen wollen. Dabei sind Islam und Christentum gar nicht so weit voneinander entfernt. "Im Koran", erzählt der Jemenite Munef Ali, der auch Arzt in Stendal ist, "steht, dass man die andere Wange hinhalten soll, wenn die eine geschlagen wurde." Dies steht auch in der Bergpredigt.