Schwerverletzte sollen im Norden unseres Bundeslandes in kürzester Zeit bestmöglich versorgt werden. Aus diesem Grund haben sich neun Kliniken zum Traumanetzwerk Sachsen-Anhalt Nord zusammengeschlossen. Dazu gehört das Johanniter-Krankenhaus Stendal.

Stendal l Schwerer Verkehrsunfall auf der Bundesstraße. Ein Auto ist gegen einen Baum geprallt; Rettungskräfte bergen einen Mann aus dem Wrack, der sich zahlreiche Verletzungen zugezogen hat, darunter lebensbedrohliche. Wo kann ihm am besten geholfen werden? Das Traumanetzwerk Sachsen-Anhalt Nord, das Ende des Vorjahres zertifiziert wurde, ist quasi die Antwort darauf.

"Wir wollen, dass Patienten je nach Verletzungsgrad flächendeckend schnell in die richtige Klinik gelangen, wo sie adäquat behandelt werden und das rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche an 365 Tagen im Jahr", erklärt Netzwerksprecher Dr. Roland Jahn. Die oft zeitintensive Suche nach einem freien Behandlungsplatz für Schwerstverletzte soll damit der Vergangenheit angehören.

Jahn, der Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie am Johanniter-Krankenhaus ist, zählt zu den Geburtshelfern des Traumanetzwerkes Nord. Es sei ein langer Weg gewesen, erinnert er sich. Nach einer Studie über die Versorgung von Schwerverletzten kurz nach der Jahrtausendwende regte die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie die Bildung von Traumanetzwerken bundesweit an. Ziel ist es, die Wege vom Unfallort zur Klinik zu minimieren, die unterschiedliche Ausstattung zu berücksichtigen und die Patienten der für sie günstigsten Klinik zuzuordnen - letztlich geht es also um eine optimale Versorgung Schwerverletzter.

Die Kliniken des Netzwerkes haben dazu organisatorische Abläufe, interne Strukturen, Kommunikationswege und medizinisch-technische Ausstattung geregelt. So sind beispielsweise Ausbildungsstandards für die Behandlungsteams festgelegt und ist eine sogenannte Tele-Kommunikation zwischen den Kliniken möglich, mit denen unter anderem Röntgenaufnahmen und CT-Bilder verschickt, begutachtet, beraten werden können.

Schnelle Behandlung kann Spätfolgen minimieren

"Jede Phase zur Versorgung des Verletzten vom Unfallort bis zum Krankenhaus ist geregelt. Bei Schwerstverletzten zählt jede Minute", macht Jahn klar. Zudem, fügt er an, könne eine schnelle und kompetente Behandlung nicht nur Leben retten, sondern auch die Folgen für die Betroffenen minimieren und damit später für mehr Lebensqualität sorgen.

Das Traumanetzwerk Nord könne alle Verletzungsfälle abdecken, versichert Jahn. Auch die Stendaler Klinik selbst sei gut aufgestellt. "Wir sind hier in der Lage, vieles selbst zu machen." Jahn sagt aber auch, dass sich so ein Traumazentrum weiter entwickelt - die Mitarbeit der Gardeleger Klinik ist avisiert - und dass es im Norden Sachsen-Anhalts auch noch Probleme zu lösen gilt.

Der Sprecher des Netzwerkes nennt die Neurochirurgie: Die Hälfte aller Unfallopfer, die nach Mehrfachverletzungen in Lebensgefahr schweben, weisen Kopfverletzungen auf. Sie werden nun nach Magdeburg gebracht, wo die Unfallchirurgen des Universitätsklinikum und des Klinikums Magdeburg gemeinsam ein überregionales Traumazentrum etabliert haben. Zuvor wurden Unfallopfer mit schweren Kopfverletzungen aus der Altmark auch nach Halle und Berlin gebracht.

Bei Neurochirurgie sollen Wege noch kürzer werden

Die Wege sollen aber noch kürzer werden. "Nachdem wir nun zwei Neurochirurgen bei uns in Stendal am Haus haben, wollen wir die neurochirurgische Versorgung von Traumapatienten noch in diesem Jahr zu großen Teilen selbst übernehmen", blickt Roland Jahn voraus.

Er und seine Mitstreiter setzen aber auch auf Spezialisierung. Nicht alle Kliniken müssten alles können; das sei auch eine Frage der Qualität. Für Verletzungen am Herzen und an herznahen Gefäßen stehen in den Magdeburger Kliniken die kompetentesten Mediziner bereit. Bei Wirbelsäulenverletzungen, Beckenbrüchen und weiteren großen Knochenbrüchen ist in der Altmark und ihrem Umkreis das Johanniter-Krankenhaus Stendal die erste Adresse.