Das Leseverhalten von Kindern fördern und damit deren Bildungschancen erhöhen, das möchte die Fraktion CDU/Landgemeinden/Grüne. Mit einem entsprechenden Antrag wollte sie in dieser Sitzungsrunde Nägel mit Köpfen machen - doch der Vorstoß wurde erst einmal gestoppt.

Stendal l Gleich der erste Punkt im Antrag ist ein Auftrag an die Stadtverwaltung: Diese möge eine Aufstellung aller Leseprojekte erarbeiten und dabei die Angebote der Stadtbibliothek ebenso berücksichtigen wie die der Kindereinrichtungen und Schulen. Diese Liste - das wünschen sich die Antragsteller in Punkt zwei ihres Papieres - soll Grundlage sein für gezielte Projekte der Stadtbibliothek, "die das Leseverhalten junger Menschen in Stendal positiv unterstützen". Gerade Kinder mit Mitgrationshintergrund sollen beim Erlernen der deutschen Sprache unterstützt werden.

Ein gut gemeinter Antrag, der gleich nach der ersten Diskussion - die fand im jüngsten Sozialausschuss statt - zurückgezogen wurde und von seinen Autoren überarbeitet werden soll. Zurückgezogen, weil die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek, Cordula Stallmann, während der Sitzung sehr ausführlich über die Arbeit der Bibliothek berichtet und damit den antragstellenden Stadträten und Ausschussmitgliedern klar gemacht hat: Vieles von dem, was gefordert wird, gehört längst zur Praxis.

"Das Jahr 2014 war schon sehr voll mit solchen Projekten", berichtete sie. Wenn man die insgesamt 177 Veranstaltungen im Jahr 2014 auf die 39 Schulwochen umrechne, dann sind das vier bis fünf pro Woche, rechnete die Bibliotheksmitarbeiterin vor: "Mit diesen Zahlen können wir wuchern, sie sind Ausdruck einer kontinuierlichen Arbeit."

Kooperationsverträge mit einigen Schulen

Als Beispiel für die Zusammenarbeit mit Schulen nannte Cordula Stallmann die mit der Gagarin-Grundschule - einer Schule mit hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund. In der Schule gibt es eine eigene Schulbibliothek. In der werde bei der Literaturauswahl darauf geachtet, dass diese aufbauend die deutsche Sprache vermittelt. Wie mit der Gagarin-Grundschule hat die Stadtbibliothek auch einen Kooperationsvertrag mit der benachbarten Komarow-Sekundarschule. Dort kümmert sich eine Lehrerin um die Schulbibliothek. Aber auch mit anderen Kindereinrichtungen und Schulen arbeitet die Bibliothek zusammen, unter anderem werden Lesungen und Projekttage in der Bücherei angeboten.

"Bei der Leseförderung sind wir gut aufgestellt, aber man kann es immer besser machen", sagte Cordula Stallmann. Mit derzeit statistischen 5,75 Mitarbeitern - real sind es sechs - seien der Zahl der Veranstaltungen und Projekte aber auch Grenzen gesetzt, machte sie deutlich, denn die Öffnungszeiten müssen ebenso abgesichert werden wie die Arbeit mit dem Bestand. Allein im vergangenen Jahr gab es 4900 Neuerwerbungen, die in den Bestand aufgenommen werden mussten.

Sprachprojekte schon für Kindergartenkinder

Barbara Janssen, in der Stadtverwaltung für die Kindereinrichtungen zuständig, informierte die Mitglieder des Sozialausschusses ergänzend über frühkindliche Sprach- und Integrationsprojekte, die schon jetzt in den Einrichtungen laufen. Bei der Erarbeitung der Qualitätsstandards dafür arbeiten die Einrichtungen mit der Hochschule Magdeburg-Stendal zusammen.

CDU-Stadträtin Christiane Jäger, eine der Unterzeichnerinnen des Antrages, zeigte sich beeindruckt vom Gehörten: "Ich sehe die Bibliothek als kompetente Einrichtung, diese Projekte zu koordinieren." Und sie räumte - bevor der Antrag zurückgezogen wurde - ein, dass ein Gespräch in der Bibliothek im Vorfeld sicher besser gewesen wäre.