Stendal/Tangermünde l Nein, es macht keinen Sinn, bei jeder Maus oder Ratte, die einem gerade über den Weg läuft, in Panik zu verfallen (es sei denn, man hat ohnehin schon Angst vor den Nagetieren!) und in Hysterie zu verfallen. Auch wenn das Gesundheitsamt Stendal am Donnerstag eine Warnmeldung vor dem Hantavirus, das von eben jenen Nagern übertragen und für den Menschen durchaus gefährlich sein kann, herausgegeben hat, ist weder von einer Rattenplage noch von einer Hantavirus-Epidemie die Rede.

Vermehrtes Vorkommen in Tangermünde ist Zufall


Vier Fälle von Hantavirus-Infektionen hat es in den letzten sechs Monaten im Landkreis Stendal gegeben. Drei davon in Tangermünde. Warum gerade Tangermünde? Gibt es dort ein vermehrtes Vorkommen von Ratten und Mäusen? Oder haben die Tiere hier besonders vorteilhafte Bedingungen? "Wo der Virus im Landkreis Stendal zirkuliert, ist nicht bekannt", ergänzt Dr. Iris Schubert, Amtsärztin des Gesundheitsamtes im Landkreis Stendal auf Nachfrage der Volksstimme.

Dem Amt würden nur Fälle gemeldet, die vom Labor diagnostiziert und bestätigt würden, im Normalfall seien das dann auch schwerere Krankheitsverläufe. "Diese traten zufällig in Tangermünde auf. Es kann sein, dass auch in anderen Regionen Erkrankungen aufgetreten, diese aber nicht gemeldet wurden", so Schubert weiter. Da die Krankheit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit) meldepflichtig ist, ist von einer erhöhten Dunkelziffer nicht auszugehen. Gefährlich kann es für Menschen werden, wenn er mit den kontaminierten Ausscheidungen der Nagetiere in Kontakt kommt. Da reicht es schon, diese entfernen zu wollen. Wird der kontaminierte Staub aufgewirbelt und eingeatmet, kann es innerhalb von zwei bis vier Wochen eine Infektion möglich.

Bei Nagetierbefall muss der Kammerjäger ran


Einer besonderen Gefahr ist der Mensch ausgesetzt, wenn es zu einem erhöhten Vorkommen von Rötel- oder Brandmäusen beziehungsweise Ratten kommt. Davon sei im Landkreis Stendal allerdings nichts bekannt, erklärt Iris Schubert. "Es kann aber auch nicht ausgeschlossen werden", ergänzt sie, "da die Tiere in letzter Zeit gute Vermehrungsmöglichkeiten wie milde Winter und ein vermehrtes Nahrungsangebot vorfinden konnten."

Da gegen die Infektion nicht vorbeugend geimpft werden kann und es keine speziellen Tests gibt, mit denen man seine Umgebung auf eine Kontamination prüfen kann, setzt das Gesundheitsamt Stendal aufgrund der vier gemeldeten Fälle von Hantavirus auf Aufklärung. Um das Risiko einer Infektion zu verringern, sollte der Kontakt zu möglicherweise infizierten Tieren und deren Ausscheidungen vermieden werden. "Es sollte darauf geachtet werden, ob Verunreinigungen durch Kot oder ob Fraßspuren in den jeweiligen Gebäuden zu sehen sind", so Schubert. Ist das der Fall, hilft nur noch der Kammerjäger.