Zum zweiten Mal veranstaltete der Studierendenverein einen Politischen Salon. Das Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen" lockte knapp 80 Besucher - Studierende und Lehrende ebenso wie interessierte Stendaler - in die Stadtbibliothek.

Stendal l Tosender Applaus von knapp 80 Zuhörern füllte den Saal der Stadtbibliothek um kurz vor 21 Uhr am Dienstag. Ein Lächeln huschte über das Gesicht von Christoph Holz. Zusammen mit Markus Jürisch hatte er den zweiten Politischen Salon des Studierendenvereins organisiert und freute sich nun über den Erfolg. Seine Premiere hatte der Salon im vergangenen Jahr zur Europawahl gehabt. "Schon da waren wir von der Resonanz sehr überrascht, aber es war ein Thema, mit dem sich jeder auf seine Art beschäftigt hatte", sagte er. Am Dienstag nun lautete das Thema "Bedingungsloses Grundeinkommen", ein eher akademisches Gedankenexperiment mit einem Befürworter, Diplom-Ingenieur Dietrich Zosel, und einem Gegensprecher, Volker Wiedemer, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Stendaler Fachhochschule.

Dass das Interesse dennoch so groß war, sowohl jüngere Studenten als auch ältere Stendaler im Publikum saßen, lässt Holz optimistisch sein, demnächst einen dritten Politischen Salon mit ähnlich großem Zulauf zu veranstalten. "Vor der Stendaler Stadtratswahl würde sich das anbieten", hat er schon ziemlich konkrete Vorstellungen, ohne sich endgültig festlegen zu wollen.

Das Thema des Abends an sich blieb sperrig, auch wenn es Zosel gelang, das Publikum mit einem Frage-Antwort-Spiel mit einzubeziehen. "Wie wollen wir in der Zukunft mit- einander leben", fragte er in die Runde. Toleranz, Angstfreiheit, Offenheit, Transparenz, Zufriedenheit und Wertschätzung waren Schlagwörter, die ihm entgegnet wurden. Zumeist negativ besetzt waren hingegen die Antworten auf die Frage, was Arbeit bedeutet. Stress, Unterordnung, Angst.

Dass Angst krank mache, sei kein Geheimnis, meinte Zosel. Dabei sei es auch eine Aufgabe des Staates, Ängste zu verringern, stattdessen würden sie geschürt. Er präsentierte eine Menge Zahlen, zeigte etwa dass Deutschland den zweitgrößten Niedriglohnsektor in Europa hat oder zehn Prozent der Bevölkerung über 60 Prozent des Vermögens verfügen. In der Theorie bleib dennoch vieles hängen, vor allem die praktische Umsetzung des Grundeinkommens. Mit einer Steuerreform, die Güter und nicht Arbeit besteuert, solle das notwendige Kapital geschaffen werden. Mit einem Grundeinkommen von 1000 Euro hätte dann jeder die Möglichkeit, sich die Arbeit zu wählen, die für ihn Sinn macht.

Wiedemer räumte ein, grundsätzlich Sympathie für den Gedanken zu haben, äußerte aber auch Zweifel. So bezweifelte er, dass die Bereitschaft zu leistungsorientierter Arbeit mit einem Grundeinkommen steigen würde, und meinte, in Deutschland werde trotz der ungleichen Verteilung des Vermögens auf hohem Niveau geklagt. Das Bedingungslose Grundeinkommen hält er nicht für die Lösung aller Probleme. Die konnte am Dienstag auch nicht gefunden werden, aber der Salon gefiel, wohl auch, weil es so etwas bislang in Stendal nicht gegeben hatte.

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