Seit Jahren plant das Magdeburger Studentenwerk den Bau eines Wohnheims in Stendal. Für die Realisierung fehlt aktuell das Geld. Nun ergreift die Hochschule die Initiative und sucht nach einem Investor.

Stendal l "Vor anderthalb Jahren stand ich hier und habe nach einer Wohnung gesucht", erinnert sich Gelord Fulama. Der 22-Jährige betrachtet Wohungsanzeigen an einer Pinnwand im Haus 2 der Stendaler Hochschule. Vor drei Semestern hatte der Berliner in Stendal sein Betriebswirtschaftsstudium begonnen. "Bei Semesteranfang ist es schwierig, gute und zugleich günstige Wohnungen in Stendal zu bekommen. Ein Wohnheim wäre eine gute Alternative", sagt der Student.

Ein Wohnheim ist auch schon länger in Planung. Genauer seit über vier Jahren, wie die Geschäftsführerin des Studentenwerks Magdeburg, Gabriele Thomas, verrät. "Wir haben damals ein Architektenbüro mit einer möglichen Planung beauftragt", sagt sie. Der Entwurf wäre jedoch in seiner Umsetzung zu teuer geworden. Mittlerweile reichten die Rücklagen für das Vorhaben überhaupt nicht mehr aus - kurzum, das Projekt liegt auf Eis.

Das Wohnheim hätte Thomas zufolge rund 60 Einheiten zu je 20 Quadratmetern beherbergen sollen. Eine Küche sowie ein kleines Bad wären ebenfalls Bestandteil der Wohnräume geworden.

"Wir wollen nicht mit dem Wohnungsmarkt in Konkurrenz treten."

Wolfgang Patzig, Prorektor

Die Ideen des Studentenwerks greift nun die Hochschulleitung erneut auf. "Wir planen ein kleines Wohnheim auf dem Campus", sagt der Prorektor der Hochschule, Wolfgang Patzig. "Damit wollen wir aber nicht in Konkurrenz zum örtlichen Wohnungsmarkt treten", erklärt er. Das Wohnheim solle vornehmlich ausländischen Studenten, Gästen der Hochschule und Erstsemestern eine vorübergehende Unterkunft bieten. Davon verspricht sich Patzig eine zusätzliche Belebung des Campus in der Osterburger Straße.

"Möglicher Standort des Gebäudes wäre die Wiese zwischen den Häusern 1 und 3", so der Prorektor. Die Hochschulleitung führe bereits Gespräche mit potenziellen Investoren aus der Region. Denkbar wäre, dass das Studentenwerk das Gebäude dann miete und als Betreiber fungiere. Der Bedarf sei bei über 2000 Studenten am Hochschulstandort gegeben.

In dem Zusammenhang verweist Patzig auf die Situation an anderen vergleichbaren Hochschulstandorten, wo es ebenso Studentenwohnheime gebe. "So können sich die jungen Leute mit ihrem Studienort noch besser identifizieren und können während des Semesters entspannt nach einer anderen Bleibe suchen", sagt Patzig. Er ist der Überzeugung, dass die Stadt den Studenten gute Wohnungen und Zimmer zu bieten hat. Die Preise hielten sich verglichen mit Metropolen wie Hamburg oder Berlin deutlich in Grenzen.

Das bestätigt auch Daniel Jircik, Geschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugenossenschaft SWG, des größten Vermieters in der Stadt. "Grundsätzlich gibt es in Stendal, auch nach dem Rückbau von rund 6000 Wohnungen durch die beiden Großvermieter, ausreichend Wohnraum", sagt er. "Nicht alle Wohnungswünsche sind immer zu erfüllen und die Studentenwohnung mit Parkettfußboden in der Villa oder das Studio mit Dachterasse nicht sofort verfügbar." Aber aufgrund des zu erwartenden Bevölkerungsrückgangs werde das Angebot von Wohnungen in den nächsten Jahren eher steigen.

"Wir haben uns mit dem Thema Neubau explizit für Studenten noch nicht beschäftigt", gesteht der SWG-Geschäftsführer ein. Im Vergleich zu "normalen" Neubauprojekten seien hier einige Kostensteigerungsfaktoren wie eine hohe Fluktuation oder der Wunsch nach möblierten, kleinen Wohnungen zu berücksichtigen.

Dennoch hat die SWG Jircik zufolge gerade für Studenten Gebäude Am Pulverturm sowie in der Nicolaistraße saniert. In der Frommhagenstraße gebe es WG-geeignete Wohnungen und im Stadtseegebiet zahlreiche kleine Wohnungen, die unter 300 Euro Warmmiete liegen. Ein Studentenwohnheim sei, so Jircik, demnach nicht unbedingt notwendig.