Seit 1743 gibt es in Deutschland Platanen, die Bäume stammen ursprünglich aus Frankreich und England. Zwei sehr schöne und vor allem sehr alte Exemplare wurden nun in Stendal gefällt - möglicherweise wegen Beschädigungen durch Bauarbeiten von vor zehn Jahren.

Stendal l In dieser Woche mussten in der Scharnhorstraße zwei etwa 175 Jahre alte Platanen aus Sicherheitsgründen gefällt werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Es handelt sich um zwei stadtbildprägende Bäume gegenüber des historischen Gertraudenhospitals. Möglicherweise hätte zumindest einer der Bäume gerettet werden können, wenn dieser vor zehn Jahren beim Bau des Fuß- und Radwegs nicht beschädigt worden wäre. Wie die Volksstimme seinerzeit berichtete, war eine Wurzel durchtrennt und später saniert worden. Ein Landschaftsgärtner war seinerzeit davon ausgegangen, dass der Baum durch die Reparatur erhalten werden könnte. Ein Irrtum, wie sich nun herausstellte.

Gutachter stellte bereits 1999 Schäden fest

Wie die Verwaltung auf Nachfrage mitteilte, seien die Bäume schon 1999 beschädigt gewesen, wie seinerzeit ein Gutachten auswies. Ein Gutachter hatte die damals noch drei wertvollen Bäume, die etwa 1840 gepflanzt worden waren, untersucht. Ein Baum war anschließend 2001 gefällt worden. Zum einen war "eingeschränkter Wurzelraum" und zum anderen waren Hohlräume sowie Braunfäule, Pilzbefall und Astnarben festgestellt worden.

Am 30. Oktober 2004 berichtete die Volksstimme von einer massiven Beschädigung der Platane, die in der Richtung des Kreisels Moltkestraße stand. Ein Bagger hatte bei Bauarbeiten die Wurzel des Baumes durchtrennt. Die von der Stadt beauftragte Firma reagierte mit einem sogenannten Wundverschluss, um das Eindringen von Fäulnis und Feuchtigkeit zu verhindern.

Offensichtlich wurde das endgültige Schicksal des Baumes mit Hilfe des Eingriffes nur aufgeschoben. Denn den fortschreitenden Verfall konnte die Maßnahme nicht verhindern, wie ein Gutachter im September des vergangenen Jahres feststellte. In seiner Bewertung stellte er fest, dass die beiden Platanen eine Gefahr für Autofahrer und Fußgänger geworden waren und nicht den "hohen Sicherheitserwartungen des Verkehrs" entsprechen, wie Stadtsprecher Klaus Ortmann sagte. "Es wurde empfohlen, die in Richtung des Kreisels Uenglinger Straße stehende Platane so schnell wie möglich zu entfernen, da sie nicht mehr stand- und bruchsicher war", sagte Silke Pidun vom Amt für technische Dienste. Der zweite Baum, der 2004 beschädigt worden war, hätte nur auf Kosten einer Einkürzung um 50 Prozent, um die Windanfälligkeit zu verringern, gerettet werden können. "Jedoch wären durch regelmäßige Kontrollen und Nachsorgearbeiten erhebliche Kosten entstanden", sagte Pidun.

Die Scharnhorststraße war für die Arbeiten voll gesperrt. Sie ist seit gestern wieder befahrbar.

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