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Größere Ansammlungen von Wasser bergen hin und wieder Mysterien, die sich nur widerwillig, in der Regel nicht restlos, ergrün- de(l)n lassen. Das Bermuda-Dreieck - also das westatlantische Original, nicht etwa die Stendaler Ausgabe im Birkenhagen - hat durch das ungeklärte Verschwinden größerer Luft- und Wasserfahrzeuge in der Vergangenheit eine gewisse Berühmtheit erlangt. Auch die Biskaya, jene stürmische Atlantikbucht vor Spanien und Frankreich, hat schon so manches Schiff in große Not gebracht. Die etwas kleinere deutsche Variante ist der Rhein an seiner gefährlichsten Stelle unterhalb der Loreley. Über den legendären schottischen Loch Ness und sein geheimnisvolles Innenleben muss ich Ihnen nichts sagen.

Noch mysteriöser - weil global vernetzt und von höherem Geschichtenwert - erscheinen mir die Geheimnisse um den wunderschönen See im Brandenburgischen, den man den Stechlin nennt. Fontane hat es in seinem gleichnamigen Roman beschrieben: Wie in die stille Wasserfläche von Zeit zu Zeit seltsame Bewegung kommt, "wenn es weit draußen in der Welt, sei´s auf Island, sei´s auf Java, zu rollen und zu grollen beginnt oder gar der Aschenregen der hawaiischen Vulkane bis weit auf die Südsee hinausgetrieben wird". Dann nämlich regt sich der Stechlin, "ein Wasserstrahl springt auf und sinkt wieder in die Tiefe". Doch das ist fast nichts im Vergleich zu den Erscheinungen, zu denen sich der See von wirklich großen Erschütterungen in der weiten Welt hinreißen lässt. Als etwa im Jahre 1755 ein gewaltiges Erdbeben die stolze Stadt Lissabon verheerte, da brodelte und sprudelte es mitten in Brandenburg, und statt des Wasserstrahls entstieg ein roter Hahn dem wildgewordenen See und krähte "laut in die Lande hinein". Soweit Fontane, der dem Volk und seinen Geschichten aufmerksam zuhörte.

Glauben Sie nicht, dass nicht auch unser Stadtsee seine Geheimnisse birgt! Ein winterlicher Spaziergang um den See hinterließ in diesen Tagen bei mir die seltsamsten Eindrücke. Seine weitgehend zugefrorene Oberfläche zeigte ein malerisches Muster aus weißen, von trockenem Schnee gefärbten, und dunkelgrauen, weil nassen und angetauten Feldern, wobei sich die dunklen Flächen meist kreisrund, wie mit dem Zirkel gezogen, im weißen Umfeld abzeichneten. Dafür können eigentlich nur Temperaturunterschiede verantwortlich sein, erzeugt durch den Uchtezufluss, der bewegtes, wärmeres Wasser in den See spült. Aber wer sorgt dafür, dass diese Bewegung nicht etwa lange dunkle Striemen, sondern kleine und große kreisrunde Flecken ins Eis "malt"?

Man muss auch nicht alles wissen. Gönnen wir unserem großen Gewässer doch einfach sein kleines Geheimnis. Übrigens birgt er noch ein zweites, das er bisher auch nicht preisgegeben hat: Wo genau die Bomben liegen, die der Zweite Weltkrieg in ihm hinterlassen hat, konnte nicht einmal die große Entschlammung vor einigen Jahren klären.