Im Kampf um den Stuhl des Tangermünder Bürgermeisters wird es spannend. Nach Thomas Staudt (CDU) und Jürgen Pyrdok (parteilos) werden jetzt auch Regine Schönberg (SPD) und Alexander Wallow (parteilos) ihre Bewerbungsunterlagen für das Amt des künftigen Stadtchefs zusammenstellen.

Tangermünde l Seit Anfang der 90er Jahre ist Regine Schönberg Mitglied der SPD. Doch der Tangermünder Ortsverein wird sie in ihrer Kandidatur um das Amt des künftigen Bürgermeisters der Kaiserstadt nicht unterstützen. Das hatte die Mehrheit der Mitglieder (6 von 9) am Donnerstagabend beschlossen. "Vielmehr sieht die Beschlussvorlage vor, dem unabhängigen Kandidaten, Jürgen Pyrdok, die Unterstützung auszusprechen", erklärte Ortsvereinsvorsitzender Björn Malycha am Freitag. "Wir selbst stellen als Ortsverein keinen Kandidaten. Wir werden Jürgen Pyrdok moralisch unterstützen und vielleicht auch praktisch, je nachdem, wie viel Unterstützung er möchte."

Mit dieser Abfuhr hatte Regine Schönberg gerechnet, ist aber dennoch "enttäuscht". "Aber ich bin in erster Linie Tangermünderin", betont sie. Und als solche wolle sie in den Wahlkampf ziehen - das zweite Mal in ihrem 55-jährigen Leben. Vor 14 Jahren hatte sie sich schon einmal als Bürgermeisterkandidatin aufstellen lassen - mit der SPD im Rücken.

In vierter Generation lebt die Mutter dreier erwachsener Töchter in der Kaiserstadt, hat hier ein Haus gebaut und leitet seit 2002 selbstständig das Tangermünder Tourismusbüro. Drei Arbeitsplätze hat sie geschaffen.

Dass das Leben auch anders aussehen kann, weiß die zweifache Oma allerdings auch. Als Verkehrselektrotechniker arbeitete sie zu DDR-Zeiten im RAW Stendal, später als Sicherheitstechniker in der Leimfabrik. Nach der Wende schlossen sich Jahre von Arbeitslosigkeit, Umschulungen und kurzen Arbeitsphasen an. "Ich weiß also ganz genau, was es heißt, arbeitslos zu sein", sagt sie.

"Ich möchte meine Vision zum Beruf machen."

Regine Schönberg

Zwischen netten Kundengesprächen und Telefonaten verrät Regine Schönberg, was sie antreibt, noch einmal in den Wahlkampf zu ziehen. "Ich möchte auf jeden Fall viel mehr Bürgernähe erreichen, frischen Wind von außen in die Verwaltung bringen. Wer seit 25 Jahren in der Verwaltung arbeitet, der kann keine großen Veränderungen bewirken", ist sie sich sicher. Sie spricht von kleinen und großen Baustellen, von einer "Vision für unsere Stadt, die wir alle gemeinsam - die Bürger, der Rat und die Verwaltung - entwickeln und umsetzen müssen". Und das gelinge nur, wenn jemand "von außen kommt".

Was Tangermünde braucht und fehlt, was die Stadt auszeichnet, was sie liebenswert macht, noch verbessert werden könnte, das bekommt die Tourismusfrau vor allem von den Menschen zu erfahren, die sich Tag für Tag die Klinke zu ihrem Büro in die Hand geben. "Ich habe mein Hobby, die Stadtführung, zum Beruf gemacht. Jetzt möchte ich meine Vision zum Beruf machen", erklärt sie. Und weiter: "Zu verlieren habe ich nix. Ich stehe auf sicheren Füßen." Deshalb hat sie gestern damit begonnen die 93 erforderlichen Unterschriften als Einzelkandidatin zu sammeln.

Auch Alexander Wallow muss dieses Prozedere absolvieren, Tangermünder um deren Unterschrift bitten. Nach seiner Aussage habe er inzwischen etwa 50 davon überzeugen können, ihn bei seiner Bewerbung um das Bürgermeisteramt zu unterstützen. "Wer kennt schon Alexander Wallow?", fragt er selbst. "Die meisten Tangermünder kennen aber die Tangermünder Tinten Tanke." Dieses kleine Reich in der Lindenstraße hat sich der gebürtige Recklinghauser in den vergangenen Jahren aufgebaut. "Hierher kommen die Tangermünder mit ihren kleinen Problemen. Jetzt möchte ich deren größere Probleme lösen", sagt er.

Wallow, ein Jahrgang mit Hape (Hans Peter) Kerkeling, der ebenfalls aus Recklinghausen kommt, ist also 50 Jahre alt, kam 1999 nach Tangermünde. Er folgte seiner heutigen Frau Renate, die hier zu Hause ist.

Nach Kfz-Mechaniker-Ausbildung, Fachabitur und 15 Jahren Aufbauarbeit bei einem amerikanischen Unternehmen in Deutschland wagte der 50-Jährige vor zehn Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit, vertreibt seitdem vor allem Computerersatzteile und Druckertinte sowie -zubehör.

Er holte nach eigenen Worten große Flohmärkte nach Tangermünde, ist im Verein "Weihnachtsmarkt Neumannscher Hof" Kassenwart und auf dem Weihnachtsmarkt seit Jahren in seinem regenbogenfarbenen Wollpullover mit selbst gekochtem Grünkohl vertreten.

"Die Karten werden neu gemischt."

Alexander Wallow

Warum aber tritt der gebürtige Recklinghauser jetzt zur Wahl um den Bürgermeisterposten an? "Jetzt ist alles offen, die Karten werden neu gemischt. "Wir sind auf dem richtigen Weg. Seniorenwohnzentren wie das in der Jägerstraße sind tolle Einrichtungen. Davon muss und wird es in Zukunft mehr geben, da bin ich mir sicher. Tangermünde eignet sich als Stadt für Senioren im Ruhestand." Wählen sollten die Tangermünder Alexander Wallow, "weil sie Vertrauen zu mir haben, ich für sie da bin". Und noch etwas treibt ihn an: "Ein kleines bisschen tue ich das auch für meinen Vater, Hans Wallow."

Eine erste öffentliche Veranstaltung, in der Regine Schönberg sich den Wählern vorstellt, wird es am 23. März um 19 Uhr im Hotel Am Rathaus geben.

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