Stendal l Auf den ersten Blick sehen Ines Ahlfedt und Söhnchen Ares Carl wie ein ganz normales Mutter-Baby-Gespann aus. Schaut man genauer hin, fällt am rechten Handgelenk der 36-Jährigen aus Seehausen jedoch eine etwas ungewöhnlich aussehende Uhr auf. Was Ines Ahlfedt da trägt, dient aber nicht als Zeitanzeige, sondern enthält einen Sicherheitschip, der mit dem ihres Kindes gekoppelt ist.

"Bei dem Transponderchip handelt es sich um einen so genannten elektronischen Wächter", erklärt Constanze Dulich, stellvertretende kaufmännische Direktorin des Johanniter-Krankenhauses. Die Chips erhalten Mutter und Baby unmittelbar nach der Geburt und tragen sie am Körper. Die Planung für das in Sachsen-Anhalt bislang einmalige Konzept reichte ein Jahr zurück.

40.000 Euro in das System investiert

"Der elektronische Wächter funktioniert kabellos über ein Bluetooth-Netzwerk", erklärt Tobias Mertens, technischer Leiter des Krankenhauses. Das System schlage Alarm, wenn ein Kind unbemerkt ohne Anwesenheit der Mutter den überwachten Raum verlässt, also von jemandem herausgenommen wird, der dazu nicht autorisiert ist. Pflege- und Wachpersonal, die mit einem Generalchip ausgestattet sind, erhalten dann ein optisches sowie akustisches Signal und können sofort handeln. Zudem sei eine Ortung des Kindes durch das System möglich. Das Klinikum hat nach Auskunft Dulichs rund 40000 Euro in die Technik investiert.

"Durch das Sicherheitssystem wird das Risiko einer Kindesentführung, aber auch einer Vertauschung von Babys erheblich reduziert", sagt Axel Fengler vom Systemanbieter Medilox Healthcare Solutions und verweist auf einen aktuellen Fall in Frankreich, wo eine Kindesverwechslung nach zwei Jahrzehnten aufgedeckt worden ist.

"Wir bieten jetzt den Maximalschutz für Mutter und Baby", bekräftigt auch Chefarzt Andreas Neumann. Zur Begründung, warum das Klinikum gerade jetzt ein solches System einführt, heißt es von ihm: "Eine Babyentführung gab es hier bislang noch nicht. Und damit es auch nie dazu kommen wird, haben wir diese Innovation aufgegriffen." In Stendal verstehe man sich sozusagen als landesweites Pilotprojekt in dieser Sache.

"Wächter" auch für Demente und Jugendliche angedacht

Eine zweiwöchige Testphase hat das Sicherheitssystem schon hinter sich, wie Kinderchefarzt Hans-Peter Sperling mitteilt. Rund 40 Personen seien bislang mit einem solchen Chip ausgestattet worden. "Die Bluetooth-Signale sind unbedenklich, von einem Handy geht mehr Strahlung aus", beruhigt Sperling. Im Übrigen seien die Chips wiederverwendbar und keine Zwangsmaßnahme. Nämlich dann, wenn sich beispielsweise Eltern dagegen aussprechen würden. Künftig soll das Sicherheitssystem Sperling zufolge auch bei Kindern und Jugendlichen, die die Klinik nicht ohne Weiteres verlassen sollten, sowie bei Demenzkranken zum Einsatz kommen.