In den Blöcken der Raks AG in Stendal Süd wohnt so gut wie niemand mehr. Der Vermieter schuldet den Stadtwerken immer noch 130000 Euro, der Kontakt ist abgerissen. Ein Gerichtsvollzieher soll nun fürs Begleichen der Rechnung sorgen.

Stendal l Der Wegweiser an der Lüderitzer Straße wirkt irreführend. "Wohngebiet Süd" steht darauf. Süd mag Assoziationen wecken, die das Quartier nicht halten kann, das auch schon lange kein Wohngebiet mehr ist. Freitag, 11.30 Uhr. Üblicherweise ist zu diesem Zeitpunkt das Büro des Vermieters Raks AG an der Hanseallee geöffnet. An der Tür ist auch die Sprechzeit für 10 bis 12 Uhr angeschlagen. Doch das Büro ist verschlossen, im Innern ist es dunkel, kein Mensch ist zu sehen.

Anruf beim Prokuristen Ramazan Yagan. Die letzten Versuche landeten bei einer türkischen Ansage, die wohl bat, es zu einem späteren Zeitpunkt zu versuchen. Diesmal heißt es: "Diese Rufnummer ist uns nicht bekannt, bitte fragen Sie bei der Auskunft nach." Auch am Firmensitz in Frankfurt/Main geht niemand ans Telefon.

Zahlungen bleiben nach wie vor aus

130000 Euro Schulden hat die Raks AG bei den Stadtwerken. Um Druck auf den Eigentümer auszuüben, wurden im vergangenen Jahr zunächst Warmwasser und Fernwärme abgestellt, später der Allgemeinstrom, der für Treppenhauslicht und Klingelanlage sorgt, und als letzte Maßnahme das Trinkwasser. Zahlungen waren dennoch bis gestern nicht erfolgt.

"Wir haben jetzt nach einem Urteil des Stendaler Landgerichts einen vollstreckbaren Titel über diese Summe", sagte Rolf Gille, Pressesprecher der Stadtwerke, gestern auf Anfrage der Volksstimme. Nun müsse versucht werden, über einen Gerichtsvollzieher an das Geld zu kommen.

Gille ist froh darüber, dass von der misslichen Versorgungssituation so gut wie niemand, vor allem keine Kinder mehr betroffen sind. "Der Paritätische hat mit seinem Beratungsangebot auch Dynamik in die Sache reingebracht", nennt er ein Beispiel. Auch Stendaler Großvermieter hatten bei Informationsveranstaltungen für einen Umzug geworben. Nach Angaben der Stadt Stendal wohnen noch fünf, höchstens zehn Menschen in den betreffenden Blöcken. Dies hätten Rundgänge in Süd ergeben.

Stadt will Blöcke nicht erwerben

Für Gille stellt sich die Frage, was denn mit dem Gelände passieren soll. "Da fehlt mir die Antwort der Politik auf die Frage", sagte er. Vor allem sei doch wichtig, die Gebäude zu sichern. Für die Stadtverwaltung ist dies derzeit noch Angelegenheit des Eigentümers. "Das Ordnungsamt unternimmt auch unter diesem Aspekt regelmäßig Kontrollgänge", sagte Pressesprecher Klaus Ortmann gestern gegenüber der Volksstimme. Derzeit bestehe für die öffentliche Sicherheit allerdings noch keine Gefahr. Sollte dies so sein und der Eigentümer auf die Aufforderung zur Sicherung nicht reagieren, werde dies von der Stadt getan. So wie an der ehemaligen Einkaufspassage, die mit Zäunen vor dem Betreten gesichert ist. Die Stadt werde sich allerdings nicht darum bemühen, die Blöcke zu erwerben, um sie dann abreißen zu lassen. "Eine derartige Entscheidung ist nicht getroffen worden", erklärte er.

 

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