Stendal l Der angekündigte Generationswechsel an der Spitze des Stendaler SPD-Ortsvereins ist vollzogen. Die 54-jährige Bundestagsabgeordnete Marina Kermer hat am Donnerstagabend den Staffelstab von Vorgänger Reinhard Weis (65) übernommen. 17 der 19 anwesenden Mitglieder stimmten für sie, es gab eine Gegenstimme und eine Enthaltung. Einen Gegenkandidaten gab es nicht.

Zu Kermers Stellvertretern wurden Jürgen Roswandowitz und Lars Schirmer gewählt, beide mit 18 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Mit dem besten Ergebnis von 19 Ja-Stimmen wurde Schatzmeister Lutz Mewes im Amt bestätigt. Verstärkt wird der Vorstand von den Beisitzern Jacob Beuchel, Thomas Haufe, Steffen Tank, Tilman Tögel und Ulrike Weis. Ebenfalls einstimmig gewählt wurden die beiden Revisorinnen Gabriele Haufe und Birgit Tögel.

Doch bevor die neue Führungsriege des aktuell 63 Mitglieder starken Ortsvereins die Glückwünsche und Blumen entgegennehmen konnte, schaute der scheidende Ortsvereinsvorsitzende Reinhard Weis auf die beiden vergangenen Jahre zurück. Auf Jahre mit "vielen Höhepunkten und einem Tiefpunkt". Der war "die schändliche Wahlfälschung", sagte Weis und warf der Stadtverwaltung "stümperhafte Arbeit und mangelhafte Bereitschaft zur Aufklärung" vor. Für die kommende Stadtratswahl wünscht er sich, dass "Leute ohne Verstrickung gewählt werden". Das Thema Oberbürgermeister- und Stadtratswahl wird Reinhard Weis in den kommenden Wochen intensiv beschäftigen. Denn er wird die Wahlkämpfe dafür koordinieren und dabei dem neuen Vorstand beratend zur Seite stehen. Warum er sich dafür engagiert, verschwieg er nicht: "Die Wahlen bieten die Chance, den CDU-Filz zu beenden."

Bei den Höhepunkten erinnerte Weis an die Feiern zum 150-jährigen Bestehen der SPD und den 25. Jahrestag der Wiedergründung des Ortsvereins. Er erinnerte an das jährliche Boßeln und den 1. Mai im Tiergarten sowie die Bundestagswahl 2013. "Als Ortsverein sind wir auf allen Gebieten der deutschen Politik vertreten", sagte Weis und ging noch einmal auf die aktuelle Wahlsituation ein. Kritisch äußerte er sich darüber, dass der Kreistag das Wahlergebnis bestätigt habe, aber "der Wahlfälschungsmechanismus hat im Kreis genauso funktioniert". Er würde gern erfahren, welche Rolle Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) - er ist Mitglied des Kreistages - und die Kreisverwaltung gespielt haben.

Kritik an der Aufarbeitung

Und Weis wurde - einen Tag, nachdem Klaus Schmotz seine erneute OB-Kandidatur angekündigt hatte - noch deutlicher: "So ein OB ist in Stendal nicht tragbar" - egal, ob er "von dem Vertuschungsversuch" gewusst habe und blauäugig gewesen sei. Die CDU schade sich selbst, wenn sie sich hinter diesen Kandidaten stelle.

Ihn störe an der Diskussion, sagte Tilman Tögel, dass Hardy Peter Güssau, CDU/Landgemeinden/Grünen-Fraktionsvorsitzender, "die Schuld immer auf die Verwaltung schiebt". Das Problem sei aber "eigentlich das unsaubere Verhalten der CDU", so Tögel.