Beim 22. Altmärkischen Lehrertag am Sonnabend in Stendal wurde die im Kreistag gescheiterte Umwandlung der Osterburger Sekundarschule in eine Gesamtschule kritisiert.

Stendal l Mit markigen Worten ging Sven Oeberst am Sonnabend beim 22. Altmärkischen Lehrertag auf die Vorgänge um die Osterburger Sekundarschule ein. In dieser Woche war im Kreistag die Umwandlung in eine Gesamtschule gescheitert (die Volksstimme berichtete). "Das ist eine Provinzposse sondergleichen", sagte der Bismarker Lehrer Sven Oeberst als Vorsitzender des Stendaler Kreisverbandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Rund 110 Lehrer - zu 95 Prozent Frauen - aus dem Landkreis sowie einige Gäste von weiter her waren zu der GEW-Fortbildungsveranstaltung ins Winckelmann-Gymnasium gekommen.

Mit Chancengleichheit für alle Schüler habe dieses Vorgehen nichts zu tun, sagte Oeberst. Als in Seehausen und in Tangerhütte im vergangenen Jahr die Umwandlungen in Gesamtschulen vorgenommen wurden, "da war die Welt noch in Ordnung". Mittlerweile erinnere man sich bei der CDU, dass man Gemeinschaftsschulen "ja schon immer nicht wollte". Es habe mehr mit Ideologie als mit Argumenten zu tun, sagte Oeberst.

Enttäuscht sei er von der SPD, die "scheinbar unter einem Gedächtnisverlust" leiden würde. Es habe mal geheißen, dass keine Schule geschlossen werden solle. Insgesamt werde im Land die Strategie verfolgt, den Lehrermangel mit Schulschließungen zu begegnen. Es gebe dennoch eine mangelnde Unterrichtsversorgung. Durch die Schließungen im Landkreis müssten rund 20 Lehrer bis hin nach Magdeburg pendeln.

Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen sei es außerdem angemessen, wenn die Lehrer mit der nächsten Tarifrunde 5,5 Prozent mehr Lohn bekämen, außerdem forderte er eine Anpassung von Ost an das Westniveau. Ferner müsste die tarifliche Entgeltregelung für Angestellte von der der Beamten abgekoppelt werden. Schon jetzt sei eine Kundgebung für Mittwoch, 4. März, in Osterburg geplant. Auch Streik sei nicht ausgeschlossen.

Hauptreferent bei der GEW-Veranstaltung war der Religionspädagoge Frank Natho aus Haldensleben. Er beschrieb, warum in der Erziehung weder Belohnung noch Strafe besonders hilfreiche Mittel seien, da die vorgeformte Persönlichkeit der Menschen viel bedeutender sei, als dies vielfach angenommen wird. Er plädiert für "vertrauensbasierte Erziehungsansätze".

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