Anfang der Woche wurde im Stendaler Stadtrat der Haushalt für 2015 verabschiedet. Das Volumen des Finanzhaushaltes beträgt rund 60 Millionen Euro. Die Finanzlage der Stadt ist angespannt. Ein Blick in die Details zeigt, dass immer noch eine Menge bezahlt werden kann, was die Attraktivität der Stadt hochhält.

Stendal l Arm aber sexy ist das Credo von Berlin. Gilt dies auch für Stendal? Wer die Zahlen im gerade erst vom Stadtrat verabschiedeten Haushalt ansieht, könnte dies vermuten. Eine Reihe von wichtigen Freizeitangeboten in der Stadt wird aus der Stadkasse kräftig bezuschusst.

Diese sogenannten freiwilligen Aufgaben kann sich die Stadt in diesem Umfang nur leisten, so lange sie noch einen ausgeglichenen Haushalt aufweisen kann. Seit 1999 ist dies der Stadt ununterbrochen gelungen, wie Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) im Stadtrat betonte. Dies könnte in den kommenden Jahren immer schwieriger werden. Bis auf Marcus Faber (FDP) stimmten am Montag alle Stadtratsmitglieder für das Zahlenkonvolut der Verwaltung.

"Es ist kein Sparhaushalt", sagte Hardy Peter Güssau als Fraktionsvorsitzender CDU/Landgemeinden/Grüne. "Beim Haushalt wird in Stendal noch gut gearbeitet", äußerte Reiner Instenberg, Fraktionschef "Die Mitte". Und auch Joachim Röxe, Fraktionsvorsitzender der Linken, sah positive Signale: "Es wird investiert und auch Geld für Soziales ausgegeben." Unter anderem zahlt die Stadt noch 55 Prozent der Kita-Kosten (45 Prozent die Eltern), obwohl sie gesetzlich nur zu 50Prozent verpflichtet ist, allerdings liegen die Beiträge dennoch über dem Landesdurchschnitt.

Für FDP-Mann Marcus Faber ist das weitere Anhäufen von Schulden nicht akzeptabel. 2015 wird der Schuldenstand um rund zwei Millionen Euro auf 16,5 Millionen Euro wachsen. Außerdem sieht er zu hohe Personalkosten. Für das städtische Personal werden 29,5Millionen Euro - 44 Prozent der Gesamtausgaben - aufgewendet.

Im Stadtrat dokumentierte Kämmerin Beate Pietrzak die wesentlichen Einrichtungen Stendals, die aus der Stadtkasse kräftig unterstützt werden:

Theater der Altmark

Im Jahre 2014 wurden die neuen Theaterverträge für das Stendaler Landestheater abgeschlossen. Die Finanzierung ist damit für die kommenden fünf Jahre gesichert. Der städtische Aufwand beträgt 4,01 Millionen Euro. Dem stehen geplante Einnahmen aus Eintritskarten in Höhe von 513000 Euro gegenüber. Aus der Stadtkasse fließen 1,48 Millionen Euro, der Rest ist über Landesmittel sowie durch die beiden Landkreise der Altmark gewährleistet. In der Saison 2013/14 hatte das Theater 55845Besucher (davon rund 25000 Kinder und Jugendliche. Es gab 687 Vorstellungen.

Altoa-Freizeitbad

Das seit 2002 bestehende Freizeitbad Altoa ist eine hundertprozentige Tochter-GmbH der Stadt. Als städtischer Aufwand sind 2015 insgesamt 672400Euro geplant. Nach dem Geschäftsbericht gab es 2013 Einnahmen aus Eintrittskarten von 542300 Euro. Seit Bestehen des Bades gibt es für die GmbH ein jährliches Nutzungsentgelt aus der Stadtkasse in Höhe von 409100 Euro. Schulen und Vereine können das Bad dadurch kostenlos nutzen. Die Besucherzahlen steigerten sich zuletzt jährlich. War schon 2013 mit 137077 Besuchern ein Rekordjahr zu verzeichnen, so wurde dies 2014 mit 140745 Besuchern noch übertroffen.

Tierpark

Der Stendaler Tierpark gehört zu den ältesten Einrichtungen der Stadt. Erste Tiergehege gab es am heutigen Standort seit 1934. Es werden dort 409 Tiere aus 69 Tierarten gehalten. Der städtische Aufwand beläuft sich fürs laufende Jahr auf 818900 Euro. An Eintrittsgeldern sind 110500 Euro eingeplant. Die Besucherzahl lag 2014 bei 72650. Nur im Rekordjahr 2011 (74938 Besucher) wurde diese Zahl überboten.

Altmärkisches Museum

Das Altmärkische Museum wurde bereits 1888 gegründet, seit 1994 kann die benachbarte sanierte Katharinenkirche als Veranstaltungsort genutzt werden. 2014 wurden in Museum und Katharine insgesamt 6400 Besucher gezählt. Als städtischer Aufwand für 2015 sind 318800 Euro geplant. An Eintrittsgeldern wird mit 35000 Euro gerechnet.

Volkshochschule

2014 nahmen rund 2100 Teilnehmer an den rund 250 Kursen der städtischen Volkshochschule teil. Es wurden 6500 Unterrichtsstunden geleistet. Der städtische Aufwand wird mit 472400 Euro kalkuliert. An Gebühren wird mit 91600 Euro gerechnet.

Bibliothek

2014 zählte die städtische Bibliothek 46400 Besucher. Der städtische Aufwand wird sich im laufenden Jahr auf 447800Euro belaufen. Es wird mit rund 15000 Ausleihgebühr gerechnet. Mit aktuellem Stadtratsbeschluss kann die Bibliothek künftig von Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahre kostenlos genutzt werden.

Musik- und Kunstschule

Seit 62 Jahren wird in der Einrichtung, die seit 1995 im Adam-Ileborgh-Haus in der Poststraße untergebracht ist, Musik geleert - für Kinder bis hin zu Senioren. 45 Lehrkräfte (neun Hauptamtliche) betreuen mehr als 600 Schüler. Der städtische Aufwand wird mit 889700 Euro kalkuliert.

Sportförderung

Die rund 80 Sportvereine in der Stadt mit 6500 Mitgliedern werden unterstützt. Der städtische Aufwand für den Unterhalt von Sportplätzen und Anlagen beträgt 2015 insgesamt 993400Euro. Für den Unterhalt der 53 öffentlichen Spielplätze (davon 29 in den Ortsteilen) beträgt der städtische Aufwand 362000 Euro. Für sonstige Sportförderung sind 118600 Euro vorgesehen. Für Investitionen der Vereine gibt es 2015 keine Zuschüsse.

   

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