Cobbel l "Blanka" und "Enni", zwei Vertreterinnen der französischen Kaltblutrasse Percheron, stehen gelassen vor der überdachten Raufe und lassen sich das Heu schmecken. Zu ihren 13 vierbeinigen Kollegen auf dem Cobbeler Pferdeschutzhof haben sie zwar Sichtkontakt, bis sie in der Herde integriert werden, vergehen aber noch einige Tage. "Sie sollen erst einmal zur Ruhe kommen", begründet Pferdehofchefin Angela Jackowski.

Zur Ruhe kommen muss allerdings auch erst einmal die Rossnärrin selber. Zu viel habe sie im knapp 800 Kilometer entfernten Skaryszew, im südöstlichen Teil Polens gelegen, gesehen und erlebt.

Arbeit der Tierschützer macht sich bezahlt

3500 Pferde standen in diesem Jahr auf Europas größtem Pferdemarkt zum Verkauf. "Alle Rassen, alle Farben", beschreibt Angela Jackowski. Sehr viele junge Pferde und Fohlen seien darunter gewesen. Die Cobbelerin berichtet alles andere als begeistert, sondern eher entsetzt. Denn die überwiegende Mehrheit dieser Tiere trete eine viele hundert Kilometer lange Reise an, um auf einem italienischen oder französischen Schlachthof zu enden. Nur ein bis zwei Prozent der angeboten Rösser würden von Privatleuten, beziehungsweise Tierschützern gekauf werden.

Für die beiden acht- und fünfjährigen gutmütigen Schimmelstuten "Blanka" und "Enni" entschied sich Pferdeschützerin Angela Jackowski. Etwa 2000 Euro musste die Cobbelerin für jedes Pferd hinblättern. Das Gewicht bestimme eben den Preis. 7000 Euro standen ihr zur Verfügung. Es waren Spendengelder, die aus allen Teilen Deutschlands eintrafen. Was übrig ist, werde unter anderem für Tierarzt und Hufpflege benötigt.

Herzklopfen und Angst haben Angela Jackowski gehabt, als sie ihre Reise begann. Der Pferdemarkt von Skaryszew habe einen schlechten Ruf. Tierschützer seien dort nicht erwünscht, es könne für sie gefährlich werden, geben sie sich zu erkennen. Am Ziel angekommen, erlebte die Cobbelerin, die von einem Filmteam des MDR begleitet wurde, allerdings das Gegenteil. Sie seien in Skaryszew sehr herzlich aufgenommen worden, die Menschen seien sehr hilfsbereit gewesen. Die Einwohner der Stadt würden unter dem schlechten Ruf des Marktes leiden, würden sich davon distanzieren. Auch habe die Arbeit der Tierschützer sich positiv auf den Ablauf des eigentlichen Marktes ausgewirkt. Tierärzte vor Ort hätten das Wohl der Pferde im Blick gehabt, Polizei und Ordnungskräfte dafür Sorge getragen, dass das strikte Alkoholverbot auch eingehalten wurde, die Kameraleute filmen konnten.

Auf "Blanka" und "Enni" warte nun die Arbeit auf dem Pferdehof in Cobbel. "Sie sind stabil genug, um auch etwas schwergewichtigere Reiter zu tragen", zeigt Jackowski auf ihre neuen beiden Dicken. Auch könnten mit ihnen die drei Noriker eingefahren werden. Diese Pferde, mittlerweile vierjährig, habe die Cobbelerin in Österreich vor der Schlachtbank gerettet, als es noch Fohlen waren.