Die Reise der Raumsonde Rosetta zum Kometen Tschuri konnten die Teilnehmer der Kinder-Uni am Sonnabend nachverfolgen. 200 Mädchen und Jungen waren neugierig darauf und hörten einem Wissenschaftler des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums zu.

Stendal l Für den Flug zum Kometen "Tschuri" hatten die Wissenschaftler von Europäischer Weltraumorganisation und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zehn Jahre Zeit. Am Sonnabend erlebten die Teilnehmer der Kinder-Uni in Stendal diesen Flug im Zeitraffer: Ulrich Köhler vom DLR raste mit ihnen in knapp einer Stunde imaginär durchs All und beschrieb die Reise der Raumsonde Rosetta zum Kometen Churyumov-Gerasimenko, kurz: "Tschuri". Und er erzählte ihnen von der leicht missglückten Landung der Landesonde Philae auf Tschuri am 12. November 2014.

Um die Zeitspanne dieser Mission zu verdeutlichten, fragte Köhler gleich zu Beginn in die Zuhörerschaft aus rund 200 Mädchen und Jungen: "Wer von euch ist zehn Jahre alt?" Und nach reichlich Fingerzeigen erklärte er sogleich: "Als ihr geboren wurdet, da ist Rosetta gerade gestartet." Und er ließ ein Modell des in Wahrheit knapp fünf Kilometer langen Kometen durch die Reihen wandern, das er mit einer "verkohlten Badeente" verglich.

"Vermutlich hängt die Sonde in einer schattigen Felsspalte fest."

So hektisch wie der Vortrag vor der leicht unruhigen Kinderschar auch war, so leidenschaftlich erzählte Köhler von der Tschuri-Mission. Er erklärte, dass Kometen aus Staub und Eis bestehen, und dass genau die Komponente Wasser die Kometen so interessant mache. "Unsere Erde ist zu zwei Dritteln von Wasser bedeckt, unser Körper besteht zu einem Großteil aus Wasser. Wir fragen uns: Woher kommt dieses Wasser? Kam es vielleicht von den Kometen?"

Um zu erforschen, wie es auf einem Kometen aussieht, was für Bedingungen dort herrschen, wurde das Raumschiff Rosetta samt Landesonde Philae ins All geschickt. Zum 500 Millionen Kilometer entfernten Kometen Tschuri. "Es ist die erste Sonde, die einen Kometen auf seiner Umlaufbahn beobachtet, sie wird ihn zwei Jahre auf seiner Reise im Sonnensystem begleiten", sagte Köhler.

Dass sich Kometen ohnehin gut eignen, um unser heutiges Leben auf der Erde zu verstehen, verdeutlichte Köhler mit einer beeindruckenden Zahl: "Kometen sind Überbleibsel aus der ältesten Zeit des Sonnensystems, sie sind bis zu viereinhalb Milliarden Jahre alt." Zum Vergleich mussten die Saurier herhalten: Sie lebten vor "gerade einmal 60 Millionen Jahren". Mit Rosetta wolle man die Frühgeschichte des Sonnensystems entschlüsseln.

Die von Rosetta abgekoppelte Sonde Philae schwebte am 12. November 2014 wie geplant auf dem Kometen sanft zu Boden. Allerdings funktionierte die Verankerung mittels Harpunen und Eisschrauben nicht, so dass Philae wieder abfederte und woanders zu Boden ging. Ein Foto schickte die Sonde noch: von scharfkantiger poröser Oberfläche, wie auf einem Vulkan. "Wir vermuten, dass Philae in einer schattigen Felsspalte festhängt", erklärte Köhler. Und die Batterie, über die die Messinstrumente funktionieren, ist leer. Da der Komet sich aber immer mehr der Sonne nähert, hoffe man, dass sich dann die zweite Batterie über die Solarzellen auflädt und man wieder Kontakt zu Philae und somit zu Tschuri bekomme.

Mehr zur Rosetta-Mission: www.dlr.de/rosetta.

Mehr zur Kinder-Uni: www.kinderuni-stendal.de

 

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