Nicht nur, was er sagt, ist eindringlich, sondern auch, wie er es sagt: Der populäre österreichische Investmentbanker Gerald Hörhan hat gestern in der Bürgerparkhalle Eindruck bei seinen jungen Zuhörern hinterlassen. Manche werden nun über seine Stimmlage nachdenken, andere über ihr eigenes Leben.

Stendal l Die Zwillinge haben es eingefädelt. Dominic und Merlin Seela, ein Auszubildender im Bereich Informatik und ein Wirtschaftsgymnasiast. Sie waren im Internet bei Youtube auf den umstrittenen Denker Gerald Hörhan gestoßen, fanden seine Thesen zum Geld beeindruckend. Dass er ihrer Einladung an das Stendaler Berufsschulzentrum tatsächlich folgte, war mehr als eine Überraschung. Aber der Buchautor und Talkshow-Gast kam tatsächlich, gestern Vormittag.

Eigenheime auf Pump sind ein großer Irrtum

War es ein Vortrag? Eher ein Überfall. Der Mann mit Punkfrisur und Dr.-Martens-Schuhen feuerte eine Frage nach der anderen ins Publikum. Mehr als 200 Schüler aus den verschiedenen Häusern waren zunächst herausgefordert, sich an Hörhans österreichischen Dialekt und seine nasale Stimmlage zu gewöhnen, um sich schließlich doch nach und nach zu melden. "Wer von euch...?", so hob jede zweite Frage Hörhans an. Wer will heiraten, möchte ein Haus bauen, weiß, wie viel Geld das und das kostet? Hörhan forderte die Schüler auf, mitzudenken. Um ihnen schließlich zu verdeutlichen, dass ihr Wunsch nach einem Haus auf dem Lande, einem Angestellten-Job und einem Ring am Finger finanzwirtschaftlich bedenklich ist. Mehr noch, dass dieser Weg laut Hörhan dazu führt, dass man sein Leben lang mit dem Geld knapsen muss. "Denn das Steuersystem benachteiligt Eigenheimbesitzer und bevorzugt Immobilienbesitzer." Mobilität werde immer teurer, und wer glaubt, dass ein Angestellten-Job in der heutigen Zeit sicher ist, sei gänzlich auf dem Holzweg. Wer sich eines Tages doch scheiden lässt, habe ohnehin alles verloren.

Finanzwirtschaftlich sinnvoll sei es indes, kleine Wohnungen in Großstädten zu kaufen. Die können dann auch als Altersvorsorge dienen. "Oder glaubt jemand hier im Saal, dass er noch eine vernünftige Rente bekommt?"

Hörhan, der selbst 200 Wohnungen besitzt und wegen seiner beruflichen Termine die Hälfte des Jahres in Hotels schläft, konnte zumindest Patric Kamprad von der Fachoberschule nicht von seinem Weg abbringen. Er hat ein Haus auf dem Land, eine Frau, zwei Kinder und möchte auch gar nicht in der Großstadt wohnen: "Ich würde es immer wieder so machen. Ich will, dass meine Kinder ins Grüne gehen können."

Erfolg hat am Ende nur, wer das Internet versteht

Dass nicht jeder ein Unternehmer werden möchte und kann, weiß auch Hörhan. Dennoch munterte er die Schüler dazu auf, über ihr Leben und - ja - auch über ihr Geld nachzudenken. "Er hat den Schülern gesagt, dass sie sich Ziele für ihr Leben überlegen und aufschreiben sollen", zitiert Kathrin Kreibe als stellvertretende Schulleiterin von der BBS II den ungewöhnlichen Gast.

Die Schüler täten ferner gut daran, sich mit sozialen Netzwerken auszukennen. Zu viele gute Ideen scheiterten daran, dass sie keine Reichweite haben. "Erfolg wird in Zukunft nur haben, wer das Internet versteht", so Hörhan.

Der Mann mit dem Abschluss an der Havard University hatte keine Berührungsängste. Er bot den Schülern an, mit ihnen per Facebook in Kontakt zu bleiben und bei Bedarf Tipps für Praktikumsplätze zu geben. Eine Gage für seinen Auftritt wollte er übrigens nicht, lediglich das Geld für die Fahrtkosten per Deutsche Bahn. Nicht von Wien aus, unterwegs war er sowieso. Termine, Termine.

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