Stendal l Wer in Sachen Finanz- und Versicherungsdienstleistungen professionell andere Menschen in selbständiger Tätigkeit berät, von dem sollte man in eigenen Belangen wohl ein Mindestmaß an Kompetenz erwarten können. Offensichtlich nicht so bei einem 46 Jahre alten Fachmann in solchen Dingen.

Rechtlich bislang unbescholten, musste er sich jetzt wegen Insolvenzverschleppung vor dem Amtsgericht Stendal verantworten. Letztlich ging das Verfahren glimpflich für ihn aus: Gegen Zahlung von 300 Euro an einen gemeinnützigen Verein stellte der Strafrichter das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft und mit Zustimmung des Angeklagten ein. "Ein Urteil wäre für den Angeklagten teurer geworden", hieß es dazu.

Zwei Straftaten waren dem Geschäftsführer einer sogenannten haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft (UG) vorgeworfen worden. Über einen längeren Zeitraum war er dem Vermieter seines Büros mehrere tausend Euro schuldig geblieben. Weil er hätte absehen können und müssen, dass seine Firma zahlungsunfähig ist, hätte er im Juli 2013 Insolvenz anmelden müssen. Das tat er jedoch nicht, weil er angeblich auf ausstehende Zahlungen hoffte, gab er vor Gericht an.

Der Insolvenzantrag ist dann laut Anklage verspätet beim Amtsgericht Stendal gestellt, "mangels Masse" aber abgelehnt worden. Zudem hatte es der 46-Jährige versäumt, dem Finanzamt seine Firmenbilanzen für mehrere Jahre fristgerecht vorzulegen. Er sei in Privatinsolvenz, weil er 350000 Euro an Schulden habe, sagte er dem Gericht. Derzeit beziehe er Hartz IV, habe aber eine Anstellung als Finanzberater in Aussicht.

Nach Anhörung seines Vermieters und seines Steuerberaters als Zeugen bestätigten sich für Gericht und Staatsanwaltschaft die Vorwürfe. "Sie haben die Alarmglocken nicht gehört. Mit Geld, das man nicht hat, darf man nicht rechnen", gab der Strafrichter dem sichtlich erleichterten Angeklagten mit auf den Weg.