Stendal l Die Kontrolle um 9.45Uhr liefert den Rekord: Auf dem Sperlingsberg haben von 20 parkenden Autos 13 keinen, vier einen abgelaufenen und nur drei einen gültigen Parkschein. Eine Ordnungsamtsmitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen möchte, wundert sich darüber überhaupt nicht. "Hier macht jeder, was er will. Und manchmal muss ich sogar aufpassen, dass ich nicht angefahren werde." Der Beweis kommt umgehend, ein kleiner Lieferwagen will sich zu den Falschparkern in der Mitte des Platzes gesellen - obwohl die Ordnungsamtsmitarbeiterin gerade ein Knöllchen ausfüllt.

Und immer ist es die gleiche Ausrede: "Ich wollte nur kurz..." Ein Senior gibt an, dass er nur schnell zur Bank war und dass er seinen Lottoschein abgegeben hat. Er wisse sehr wohl, dass das Parken verboten ist und trotzdem stellt er sein Auto seit Jahren irgendwo neben der Sperlings-Ida ab. Der Stendaler findet gar, "dass der Platz ohne Autos tot aussehen würde". Unrechtsbewusstsein? "Nein."

Von einem "haarsträubenden Zustand" redet deswegen Stendals Stadtsprecher Klaus Ortmann. Die Verwaltung sei sich darüber im Klaren, dass Kontrollen allein das Problem nicht lösen können. Das habe sich in der Vergangenheit gezeigt. Deswegen sollen in Kürze zusätzlich kleine bauliche Veränderungen vorgenommen werden. Mitten auf dem Platz dergestalt, dass das Befahren nicht mehr möglich ist. Weiterhin sehe die Stadt vor, die neun Parknischen besser zu kennzeichnen - und zwar mit reflektierenden Stellplatzmarkern, wie sie in der Marienkirchstraße angebracht wurden. "Die Marker sind auch höher als die alten", so Ortmann.

Manchmal rufen auch die Geschäftsleute um Hilfe

Die Ordnungsamtsmitarbeiterin wird sich darüber freuen, denn auch sie hatte das Gefühl, dass die Markierungen womöglich nicht präsent genug sind. In einer Acht-Stunden-Schicht ist sie ein- bis dreimal am Sperlingsberg. "Das kommt ganz darauf an, manchmal werden wir von Geschäftsleuten gerufen, weil alles zugeparkt ist", so die Politessin.

Das Parken ohne Parkschein, sowohl in den vorgesehenen Nischen als auch außerhalb, schlägt im Portemonnaie der Autofahrer mit zehn Euro zu Buche. Wer ohne Berechtigung auf einem der beiden Behindertenparkplätze steht, wird auf einen Schlag um 35Euro erleichtert.

Trotz Parksündern auf dem Sperlingsberg nimmt die Stadt dort seit 2006 jährlich um die 14000 Euro an Parkgebühren ein.

Dazu kommen die Einnahmen durch Knöllchen: Beispielsweise kamen im Zeitraum von Januar bis Mitte August 2013 bei 307 geahndeten Verstößen 3320Euro zusammen.

Braucht es überhaupt Parkplätze auf dem Sperlingsberg? Anfang 2005 hatte der Stadtrat beschlossen, Kurzzeitparkplätze herzurichten - nur für fünf Jahre, bis sich die Parkplatzsituation in der Altstadt entspannt hat. Diese Frist wurde nicht eingehalten, das Parken war weiterhin toleriert. Im Februar scheiterte ein Antrag der Linkspartei, das Parken auf dem Platz zu verbieten. Der Stadtratsbeschluss von 2005 ist weiter gültig.

 

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