Für rund 34 Millionen Mark bekam Stendal zwischen 1993 und 1995 einen neuen Theaterbau, der in Teilen bis heute umstritten ist. Entworfen wurde das Gebäude an der Karlstraße vom Theaterspezialisten Werner Ruhnau. Der jetzt verstorbene Stararchitekt wird in Kassel beerdigt.

Stendal l Seine Grabstätte in Kassel hat der Architekt Werner Ruhnau bereits vor zwanzig Jahren fertiggestellt. 1995 entstand das Grabmal "Spielräume". Zur selben Zeit war Ruhnau damit beschäftigt, in Stendal das Theater der Altmark neu zu konzipieren. Am vergangenen Freitag ist der Theaterarchitekt im Alter von 92 Jahren in Essen gestorben.

"Wir können stolz darauf sein, dass wir einen echten Ruhnau in unserer Stadt haben", sagt der stellvertretende Oberbürgermeister Axel Kleefeldt. Er selbst hatte den Umbau an der Karlstraße mitverfolgt und vertrat die Stadt später auch bei einem Rechtsstreit, den der Architekt und die Stadt um zu hohe Baukosten führten. "Es kam zu einem Vergleich, der für die Stadt günstig ausging", erinnert sich Kleefeldt. Der Architekt bekam lediglich seine Anwaltskosten erstattet.

Architekt hat Vorstellungen eins zu eins umgesetzt

"Später als er noch einmal in Stendal war, haben wir ruhigen Gemütes zusammengesessen, haben einen Wein getrunken und er hat mir sogar noch das Du angeboten", sagt Kleefeldt.

Über den damaligen Stendaler Intendanten Goswin Moniac gelang es, den Stararchitekten für den Theaterneubau zu gewinnen. Moniac stammte aus Gelsenkirchen, wo Werner Ruhnau Ende der 1950er Jahre das Musiktheater im Revier als eines seiner bedeutenden Werke schuf. Im November 1992 wurde in Stendal der Grundstein gelegt, wobei es sich genau genommen um einen Umbau handelte. Beim Festakt zur Eröffnung am 15.September 1995 sagte der Architekt: "Das Theater der Altmark ist auf seinen alten Grundmauern wiedererrichtet worden. Alte Wände sehen Sie noch hier im Saal. Neu ist die Idee, aus dem ehemaligen bürgerlichen Festsaal den Eindruck eines öffentlichen Platzes entstehen zu lassen, auf dem Theater gespielt wird, umringt mit Stendaler Balkons und angedeuteten Fensteröffnungen. Dahinter steckt der Gedanke, dass die Theaterleute innerhalb dieser Architektur leichter von ihren Bühnen herunter auf die Besucher zugehen können, um den gesamten Raum und die Besucher in das Spiel mit einzubeziehen und diese zu Mitspielern zu gewinnen."

Durch sogenannte "Geschichtsfenster" sind alte Bauelemente erkennbar geblieben. Ein weiteres Element ist das "Mediengrab" am Eingang. Unter einem Glas sind alte Fernseher und Geräte zu sehen, über die sinnbildlich hinweggeschritten wird. Eine Hommage an den Künstler Yves Klein sind die Betonpfeiler, an denen blaue Farbe hinabläuft.

Vor Baubeginn hatte Ruhnau die Kosten auf 31 Millionen Euro geschätzt, am Ende waren es rund drei Millionen Euro mehr. Fast ein Klacks, wenn man an heutige Großprojekte denkt. "Am Ende hat er seine Vorstellungen eins zu eins umgesetzt", sagt Kleefeldt.

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