Stendal l Einen arglosen Reisenden am 13. August vorigen Jahres im Nahverkehrszug von Stendal nach Wolfsburg gewürgt, geschlagen, gebissen und schließlich ausgeraubt zu haben, wurde drei Männern im Alter von 25, 31 und 32 Jahren vorgeworfen. Am Ende des vierten Verhandlungstages hat das Landgericht Stendal am gestrigen Dienstag das Trio wegen Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Die beiden älteren Angeklagten, die seit dem 14. August in U-Haft sitzen, müssen demnach für jeweils zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Jüngste des räuberischen Trios wurde zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem ordnete die 2. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Ulrich Galler die Unterbringung des 25-Jährigen im Maßregelvollzug zur Alkoholtherapie an. Den Maßregelvollzug und die 20-monatige Haftstrafe setzte das Gericht für drei Jahre zur Bewährung aus. Der bislang rechtlich unbescholtene 25-Jährige durfte den Gerichtssaal als freier Mann verlassen. Die mehrfach vorbestraften Mitangeklagten bleiben in Haft.

Das Urteil basiert vorrangig auf den Geständnissen der Angeklagten und der Aussage des Opfers sowie auf den Aufnahmen der drei Überwachungskameras im Zug. Außerdem hatte der 25-Jährige in einem Brief aus der U-Haft an seinen Onkel den Raub als geplant eingeräumt.

Zur Überzeugung der Kammer stehe fest, dass sich die drei Angeklagten auf dem Weg aus ihrem Heimatland Polen in die Niederlande von dem eine Station vor Gardelegen zugestiegenen Fahrgast Geld und Zigaretten erbettelt haben, sagte Richter Galler. Als der heute 30-Jährige kein Geld geben wollte, sei es zu einer "Frusthandlung" gekommen. Der 31-Jährige habe zuerst geschlagen. Er sei vom 32-Jährigen "unterstützt" worden. Der Dritte im Bunde habe "die Gelegenheit ergriffen" und die Geldbörse des Opfers mit 200 Euro an sich genommen.

Als die Täter in Gardelegen ausstiegen, ist der 30-Jährige ihnen beherzt nach, um wieder an sein Geld zu gelangen. Dabei kam es am Bahnsteig zu einer weiteren Gewaltattacke. Der 31-Jährige versuchte dabei, dem Opfer das Handy abzunehmen. Erst als die durch einen Mitreisenden alarmierten Polizeibeamten eingriffen, endete das Geschehen. Der 30-Jährige behielt eine Bisswunde im Oberarm als "Andenken" zurück. Gemäß einer im Prozess geschlossenen Vereinbarung soll er 2000 Euro Schmerzensgeld von den Angeklagten bekommen.