Stendal l Auch am Zaun der Stendaler Grundschule am Stadtsee prangte gestern ein Transparent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): "Wir streiken". Ein Satz, der für alle Pädagogen des Hauses galt, mit Ausnahme von Schulleiterin Silke Kahrstedt. Sie hielt die "Stellung". Dass die Betreuung der Kinder, die gestern Morgen in ihre Schule kamen, dennoch gesichert war, ist dem Notfallplan des Schulamtes zu danken. Es schickte zwei Lehrer aus anderen Schulen zur Unterstützung. Viele Eltern hatten ihre Kinder für den gestrigen Tag allerdings entschuldigt und deren Betreuung selbst organisiert.

Mit Bussen nach Magdeburg


Am Morgen um kurz vor 9Uhr ist am Stendaler Busbahnhof dagegen eine Menge los. Dutzende Pädagogen steigen in zwei große Busse, die zur zentralen Kundgebung nach Magdeburg fahren. Rund 380Teilnehmer aus dem gesamten Landkreis haben sich zu der Gewerkschaftsveranstaltung angemeldet, sieben Busse fahren. "Es soll ein deutliches Zeichen gegen die geplanten Kürzungen des Landes bei der Altersvorsorge gesetzt werden", sagt Sven Oeberst, Pädagoge aus Bismark und Vorsitzender des GEW-Kreisverbandes Stendal. Man kämpfe auch dafür, dass die Kluft bei der Bezahlung zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern nicht immer größer werde. Teilweise gebe es Unterschiede von drei Entgeltgruppen für die gleiche Arbeit. Nach Angaben von Oeberst sind mittlerweile rund zwei Drittel der Lehrer im Angestelltenverhältnis. "Das sieht an einzelnen Schulen unterschiedlich aus, hängt auch von der Schulform ab." Angestellte Lehrer staatlicher Schulen streikten gestern. Pädagogen von Privatschulen sind beim Konflikt außen vor.

Schüler bleiben Unterricht fern


Unterricht gab es nur in sehr eingeschränkter Form. So waren bei der Stendaler Sekundarschule "Comenius", bekanntlich eine Ganztagsschule, immerhin 12 der 30 Pädagogen anwesend. Regulärer Unterricht fand dennoch nicht statt. Ebenso in der Diesterweg-Sekundarschule, an der ebenso mehr Lehrer als Schüler zu finden waren. Sechs Pädagogen durften sich um zwei Schüler kümmern. Theoretisch wäre hier Unterricht möglich gewesen, denn für jede Klassenstufe hätte ein Lehrer zur Verfügung gestanden.

Im Hildebrand-Gymnasium standen zwei Drittel der Lehrer parat, um etwa ein Drittel der Schüler - mehr waren auch hier nicht an Bord - zu unterrichten. So konnten die Schüler der 10.Klassenstufen wie geplant ihre Klausuren schreiben. Andere Klassen wurden klassenübergreifend zusammengefasst. Ähnlich sah es im Winckelmann-Gymnasium aus.

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