Stendal l Der Name Emmerlich leitet sich vom mittelhochdeutschen Emmerling ab und bedeutet "singender Pirol". So berichtet es Gunther Emmerlich seinem Publikum in der voll besetzten Katharinenkirche. "Hier hatte ich eigentlich Beifall erwartet", fügt er ironischen Untertons hinzu und bekommt ihn prompt.

Charmante Plauderei und selbstironische Texte

Mit seinem Programm "Gunther Emmerlich singt und liest" tourt der Bühnen-Haudegen derzeit durch die Lande. Ein treues Publikum strömt in die Hallen. So auch in Stendal. Die meisten müssten Emmerlich seit Jahrzehnten kennen, vor allem aus dem Fernsehen ("Showkolade") und als Opernsänger. Seit einigen Jahren hat er das Schreiben für sich entdeckt und veröffentlicht Bücher, die Anekdoten aus seinem Leben preisgeben. Auf die Bühne mitgebracht hat er den Gitarristen Frank Fröhlich. Beide unterhalten ihr Publikum prächtig - Emmerlich erzählt, liest, singt, Fröhlich lässt staunen, was aus einer Gitarre an Tönen rauszuholen ist. Es sind vor allem heitere Geschichten, die Emmerlich zum Besten gibt. Entspannt sitzt er am Tisch, plaudert charmant, liest die Zeilen mit seiner wunderbaren Bassstimme, versteht es, Pointen zu setzen.

Eine gehörige Portion Selbstironie steckt in seinen Texten, so etwa in "Vom Altwerden". Das Positive an der zu erwartenden Glatze ist, dass man nicht mehr zu schwatzhaften Friseurinnen muss. Wieso Seniorenteller? Hat sich mein Appetit halbiert? Emmerlich schließt sich einer Feststellung von Autor Peter Bamm an: Der Mensch hat zwei Wünsche: alt zu werden und jung zu bleiben. Und setzt hinzu: "Daran arbeite ich."

Emmerlich erinnert sich an seine Kindheit. Nicht alles ist heiter. Die Geschichte von seinem ersten Fahrrad der Vorkriegsmarke "Wanderer" ist verknüpft mit dem frühen Tod seiner Mutter, zu der er als Junge täglich ins 20 Kilometer entfernte Krankenhaus fuhr. Doch die meisten seiner Geschichten lassen schmunzeln. In "Der falsche Eindruck" erzählt er von Reaktionen, als er mit seiner 20-jährigen Enkelin öffentlich auftrat. Neidisch bis vorwurfvoll blickten die Leute auf das Gespann: auf Schwerenöter Emmerlich nebst Gespielin. Nach Aufklärung herrschte "Erleichterung bis Enttäuschung".

Amüsant ist auch die Anekdote von einem übergroßen Konzertanzug, der mit Wäscheklammern zusammengehalten werden musste. Diese plumpsten mitten im Auftritt geräuschvoll zu Boden.

Programmkomposition aus Texten und Musik

Die Programmkomposition aus Texten und Musik ist gekonnt arrangiert. Frank Fröhlichs Visionen von "Der Entertainer", des Menuetts von Johann Sebastian Bach oder des Stücks "Kindergeburtstag" sind außergewöhnlich, so noch nicht gehört. Der Mann beherrscht sein Instrument meisterlich, schafft mit virtuosem Spiel die Illusion, ein kleines Orchester stünde auf der Bühne. Doch wenn Emmerlich mit seiner markigen Bassstimme singt, ist das Publikum ganz angetan.

Von Rock`n`Roll bis Swing - nach jedem Song klatschen die Zuhörer begeistert. "Ol` Man River" ist dabei einer der vielen Höhepunkte. Die Stimme Emmerlichs bleibt unverwüstlich.