Von Wolfgang Biermann

Stendal l "Betrunken Fahrrad zu fahren ist kein Kavaliersdelikt." Mit diesen Worten des Strafrichters ist in dieser Woche ein 48-jähriger Fahrradfahrer vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu 50 Tagessätzen à zehn Euro (500 Euro) Geldstrafe verurteilt worden. Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren ist der Mann aus dem Norden des Landkreises betrunken auf dem Zweirad von der Polizei erwischt worden. Zuletzt am Abend des 8. November vorigen Jahres auf der Kreisstraße zu seinem Heimatort. Die Blutentnahme ergab einen Wert von 2,05 Promille. Die bekomme man nicht von drei bis vier Bier, so der Richter. Kleinlaut räumte der Angeklagte ein, dass er bei einer Treibjagd dazu auch noch ein "paar Doppelte" getrunken habe. "Zum Glück waren Sie nur Treiber, nicht Jäger. Aber schlimm genug", hielt der Richter ihm weiter vor.

Streit mit Nachbarn als Grund für Trunkenheit

Er sei früher Lkw-Fahrer gewesen und hätte "nie was gehabt", gab der 48-Jährige an, der jetzt von Hartz-IV lebt. Er sei beileibe "kein unbeschriebenes Blatt", hieß es nach einem Blick in sein Strafregister. Das enthält neben zwei Geldstrafen wegen der schon erwähnten Trunkenheitsfahrten in den Jahren 2012 und 2014 noch zwei weitere Einträge: einen aus 2009 vom Amtsgericht Hamburg-Harburg wegen Untreue und einen wegen Betruges vom Amtsgericht Haldensleben.

Er sei von seinem Nachbarn frustriert gewesen, habe sich von diesem "drangsaliert gefühlt", gab er als Grund für seine letzte Alkoholfahrt an. "Das war nicht richtig, das weiß ich", gab er sich einsichtig. Diese Einsicht ersparte ihm denn auch eine um 200 Euro höhere Geldstrafe, denn die Staatsanwaltschaft hatte 700 Euro gefordert. Ein durchaus möglicher Entzug der Fahrerlaubnis kam nicht infrage. Nach eigenen Angaben hat der 48-Jährige diese schon schon vor Jahren abgegeben. Noch im Gerichtssaal nahm er das Urteil an. Während für Autofahrer eine Promillegrenze von 0,5 gilt, dürfen Radfahrer bis 1,5 Promille straffrei fahren, erst ab 1,6 Promille drohen Geldbußen, erfuhr die Volksstimme von der Staatsanwaltschaft.