Damit schon die Kleinsten soziale und emotionale Kompetenzen entwickeln, zeigten ihnen die Marionetten der berühmten Augsburger Puppenkiste, wie sie gut mit ihren Gefühlen umgehen können. 240 Kinder aus sieben Kitas der Region sahen das Gastspiel ins TdA.

Stendal l "Man kann mal traurig oder ängstlich sein, mit den richtigen Freunden geht`s einem danach wieder gut", sagte Paula am Ende der Vorführung "Paula und die Kistenkobolde" im Theater der Altmark am Dienstag zu Heulibold, Bibberbold, Zornibold und Freudibold. Die fünf Figuren sind Marionetten im Ensemble der Augsburger Puppenkiste, die mit dem Stück Sucht und Gewalt im Jugendalter vorbeugen will.

Gespielt wurden die fünf Figuren von vier Puppenspielern. "Die Kinder hatten Spaß und haben toll mitgemacht", freute sich Puppenspielerin Kristina Lehmann. Sie und ihre Kollegen waren das erste Mal in Stendal und fanden hier ein interessiertes, aufgeschlossenes Publikum. Insgesamt 240 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren aus Osterburg, Tangerhütte, Genthin und Stendal waren zu den drei Aufführungen gekommen. Dort sahen sie, wie Heulibold, Bibberbold, Zornibold, Freudibold und Paula lernten, ihre Emotionen richtig zu deuten und dann mit den Gefühlen umzugehen, sich dabei unterstützten, trösteten und Mut machten.

"Es gibt wissenschaftliche Studien, dass Kinder gerade in diesem Alter erste soziale Kompetenzen aufbauen", erklärte Psychologe Thomas Kliche, von der Hochschule Stendal-Magdeburg, der an der Vorführung ebenfalls seine Freude hatte. In dem Zusammenhang lobte Kliche das Präventionsprojekt des Augsburger Vereins Papilio, bei welchem das Puppenstück ein wesentlicher Bestandteil ist.

"Die Frühförderung unserer Kinder ist besonders wichtig, da müssen wir in Sachsen-Anhalt mehr auf die Beine stellen", appellierte Kliche an Träger von Erziehungseinrichtungen sowie an die Politik. Projekte wie jenes von Papilio bieteten hierfür die "Autobahn".

"Das Puppenspiel ist nur ein Teil unserer Präventivkampagne", erklärte die Papilio-Vorsitzende Heidrun Mayer. Unterstützt werde ihr Verein dabei von der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks "Sternstunden". Seit 13 Jahren bietet Papilio schon seine Kampagne im Rahmen einer Weiterbildungsmaßnahme für das Kita-Personal bundesweit nahezu allen Erziehungseinrichtungen an. "Leider ist dann von Seiten der Träger immer zuhören, dass kein Geld für die Maßnahme vorhanden sei", schildert Mayer ihre Erfahrungen. In den Bundesländern gebe es deshalb nur eine Handvoll Kitas mit Papilio-Zertifikat. Heidrun Mayer gesteht aber auch ein, dass ihr Projekt wesentlich kostenintensiver als andere ist. Ziel der Aufführung in Stendal war es Mayer zufolge, die Kitas und ihre Träger an die Kampagne heranzuführen.

"Waldzwerge" Flessau sind erste Papilio-Kita im Land

Trotz hoher Kosten hat die Lebenshilfe Osterburg als Träger der integrativen Kita "Waldzwerge" in Flessau eine Teilnahme der Kita-Mitarbeiter am Papilio-Projekt ermöglicht. "Wir waren schon lange auf der Suche nach einem ähnlichen Projekt", erklärte Lebenshilfe-Geschäftsführerin Regina Bahlke nach der ersten Puppen-Vorführung, bei der auch die "Waldzwerge" Zuschauer waren. "Wir können das Konzept unserer Kita nur weiterentwickeln, wenn auch unsere Mitarbeiter entsprechend fortgebildet werden", bemerkte Bahlke weiter.

Auch Kita-Leiterin Gabriele Hoffmann zeigte sich zufrieden mit dem Projekt. "Unser Team ist noch enger zusammengerückt", sagte sie. Die nächste Stufe soll die Einbindung der Eltern in die Präventivkampagne sein. Dazu werde es bald einen Elternclub geben, wobei sich Eltern regelmäßig zum gegenseitigen Austausch treffen können. "Wichtiges Thema wird im Gespräch mit den Eltern das Thema Zeit sein", so die Kita-Leiterin. In dem Projekt könnten die Erwachsenen lernen, wie sie selbst kleine Zeitfenster dazu nutzen, mit ihren Kindern etwas zu unternehmen. Zudem ginge es auch hierbei um Emotionen, wie sie die Kistenkobolde schon in dem Stück verkörpert hatten.