Im Rahmen des Festaktes zum 200. Geburtstag Otto von Bismarcks am heutigen Sonnabend gibt es im Musikforum Katharinenkirche auch eine Diskussion mit dem Historiker Arnulf Baring und dem Chef der Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger.

Stendal l Der Historiker und Publizist Arnulf Baring ist dafür bekannt, dass er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Zahlreiche Talkshows sind Beleg dafür. Am heutigen Sonnabend führt er mit dem Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, eine Podiumsdiskussion. Schon das Thema, Sicherheitspolitik zu Zeiten Otto von Bismarcks und heute, löste bei ihm im Gespräch mit der Volksstimme eine heftige Reaktion aus. "Wer ist denn darauf gekommen", fragte er, "das Thema passt doch überhaupt nicht." Lieber würde er über die Bedeutung Otto von Bismarcks für die heutige Zeit sprechen, denn er müsse näher gesehen werden, als die Deutschen es tun. Der Vater der Bundesrepublik Deutschland sei doch nicht Konrad Adenauer, sondern Bismarck. Um das zu erkennen, müsse man doch nur auf eine Landkarte schauen. "Abgesehen von den Ostgebieten sind das genau die gleichen Grenzen", erklärte er. Auch bei sozialpolitischen Themen seien oftmals Bismarcksche Leitgedanken beteiligt.

"Mit diesen Kadetten an der Spitze hätten wir wohl den Kalten Krieg nicht überstanden"

Auch die jetzige Regierung kann seiner Meinung nach von Bismarck lernen. "Dieses Verfahren nach dem Motto ,Mutti kriegt das schon hin ist zwar ein sympathischer Impuls, allerdings auch trügerisch", ist er überzeugt. Bismarck habe das neue Reich immer als gefährdetes Gebilde angesehen. "Wir können uns doch russische Truppen in Cottbus gar nicht vorstellen", sagte er. Die Abschaffung der Wehrpflicht sei ein ganz großer Fehler gewesen. Das sorge in der Bevölkerung für das Gefühl, es gebe keine Gefahr. Und die gebe es sehr wohl - nicht nur, aber auch im Konflikt mit Wladimir Putin. Baring hält es für einen Fehler militärische Maßnahmen von vornherein auszuschließen. "Ich bin kein Kriegstreiber, aber mit militärischen Mitteln zu drohen, heißt ja nicht zwangsläufig sie auch einzusetzen", erläuterte er.

Eine Politik ohne Abschreckung könne nicht erfolgreich sein. So sei der Kalte Krieg doch auch kalt geblieben. Aber auch da hat er Zweifel am derzeitigen Führungspersonal. "Mit diesen Kadetten an der Spitze hätten wir wohl den Kalten Krieg nicht überstanden", meint er und fordert die Wiedereinführung der Wehrpflicht, um den Bedrohungen gewachsen zu sein.

Auch beim Thema Griechenland und Europa ist er anderer Meinung als die Große Koalition. "Das ganze Ding ist nicht lebensfähig", hält er die Europäische Union für ein Auslaufmodell. Die Konstruktion sei falsch und wacklig, könne auf Dauer nicht Bestand haben, es sei denn die stärkeren Länder wollen unbegrenzt Geld in die schwächeren pumpen. "Von einem einheitlichen Europa kann gar keine Rede sein", sagt er, "dafür sind die Mentalitäten und die Effektivität der Nationen viel zu unterschiedlich, das macht auch eine europäische Armee unmöglich."