Ihr aktuelles Literaturprojekt für drei Stendaler Grundschulen hat die Stadtbibliothek unter das Motto "Auf heißer Spur - Tatort Stendal" gestellt. Anlass für die spannende Zeitreise ist das Stadtjubiläum.

Stendal l Marie und Moritz sind gerade erst von Tangermünde in die Stendaler Altstadt gezogen. Freunde haben sie in der kurzen Zeit noch nicht gefunden. Was sie aber haben, ist Langeweile. Und so stöbern sie in dem alten Haus herum, das die Eltern vom verstorbenen Opa geerbt haben. Beim Stöbern auf dem Dachboden finden sie eine Truhe - und darin einen Brief vom Großvater. Der verrät seinen Enkelkindern, wie sie in die Zeit reisen können. Dafür benötigen sie aber mindestens 20 weitere Kinder...

Mit dieser Geschichte starten die Bibliotheksmitarbeiterinnen Heike Busenthür (Moritz, später Ritter) und Lydia Kaul (Marie, später Zeitdetektiv) in ihr Abenteuer. Und ausreichend Kinder als Reisebegleiter hatten sie gestern Vormittag auch - die Schüler der Klassen 1a und 2a der Grundschule Am Stadtsee. Ihre Mitschüler der anderen Klassen werden in dieser Woche ebenfalls noch das Literaturprojekt erleben. Die Schüler der Gagarin-Grundschule waren in der vergangenen Woche zu Gast in der Bibliothek, im April wird das Projekt für die Grundschule Petrikirchhof fortgesetzt. Zur Dekoration des Veranstaltungsraumes hatte die Grundschule Am Stadtsee sehr schöne Collagen zum Thema Stendal beigesteuert.

Und so ging es dann gemeinsam hinein ins Jahr 1020. In die Zeit also, als der Ort Stendal entstand. Nachdem mit Hilfe einiger Kinder aus Papier, Stoff, Bäumen und anderen Utensilien das unbewohnte Fleckchen an der Uchte entstanden war, warf eine Jungfrau einen großen Stein in die Landschaft - und dort wurde dann nach alter Sage Steinedal gegründet. Rund eineinhalb Jahrhunderte später, im Jahr 1165, bekam der Ort das Marktrecht - die Geburtsstunde als Stadt hatte geschlagen. Nun konnte auf dem Markt gehandelt werden - aber womit? Diese Frage beantworteten der Ritter und der Zeitdetektiv mit einem Lied, dazu zeigten sie Tuche, Gewürze, Gaukler-Instrumente, Gemüse, eine Gans, Tand (also Schmuck), einen Schuh als Symbol für das Schusterhandwerk und einiges mehr. Und weil die Grundschüler gut zugehört und beobachtet hatten, konnten sie anschließend alle Dinge problemlos aufzählen.

Auf der Spurensuche am Tatort Stendal entdeckten die Schüler außerdem den Narren auf der Roland-Rückseite. Für die Zeitreisenden war dies ein gutes Stichwort, sich das Treiben eines ganz bekannten Narren anzuhören: Till Eulenspiegel. Und wieder durften einige Kinder, zum Teil kostümiert, in der kleinen Spielszene mitwirken, in der Till einem Esel das Lesen beibringt.

Ob nun bei den literarischen Blicken in die Stadtgeschichte, im Erzählen von Moritz und Marie, in den Liedern, bei einem Bilderrätsel zum Abschluss - für die Schüler gab es ganz viele Informationen über die Geschichte der Stadt Stendal. Stadtgeschichte nicht nur zum Zuhören, sondern zum Erleben. Heike Busenthür und Lydia Kaul haben mit ihrem "Tatort Stendal" ein wirklich lehrreiches, kurzweiliges und unterhaltsames Projekt entwickelt und gestaltet, das sich würdig einreiht in die Aktivitäten zum Stadtjubiläum. Die Lehrerinnen, die gestern die Grundschüler in die Bibliothek begleitet haben, formulierten ihren Eindruck am Ende auf dem Fragebogen so: "Lebendigkeit und Kreativität waren Spitze." Dem kann man nur zustimmen.

   

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