Stendal l Von einem normalen Unterrichtstag war der gestrige im Landkreis weit entfernt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zum zweiten Mal binnen zweier Wochen zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen - mit Erfolg. Ob Seehausen oder Tangerhütte, Osterburg oder Havelberg: Regulärer Unterricht war die Ausnahme, Betreuung nach Notfallplan stattdessen die Regel.

Basteln, Singen und Entspannungsübungen

So an der Havelberger Förderschule "Am Lindenweg". Singen, Basteln, Sport und Entspannungsübungen standen hier auf dem Lehrplan. Gestreikt wurde auch an allen drei Bismarker Schulen. Nach Hause geschickt werden musste dennoch kein Schüler. Ihre Betreuung war abgesichert, ebenso wie die der Osterburger, Flessauer und Seehäuser Grundschüler. In ihren Lernstätten war gestern ebenfalls nicht an den gewohnten Unterrichtsbetrieb zu denken, weil sich viele Lehrer am Streik beteiligten.

Das Bild im Süden des Landkreises war differenzierter. An der Tangerhütter Grundschule kümmerten sich die nicht streikenden Lehrer um 25 Kinder (von ansonsten 170). In der Grundschule Grieben hingegen war vom Streik nichts zu spüren. Auch an der Lüderitzer Grundschule fand der Unterricht statt, ebenso wie in der Tangerhütter Sekundarschule "Wilhelm Wundt".

Mit sechs Lehrern plus Schulleiterin war in der Stendaler Grundschule "Nord" die Betreuung der Schüler gesichert. 110 Mädchen und Jungen kamen gestern in die Schule. In die Grundschule an der Stendaler Goethestraße waren gestern Morgen rund 90 von 260 Kinder gekommen. Regulärer Unterricht war mit dem Drittel der Lehrerschaft, die hier anwesend war, zwar nicht möglich, wohl aber die Betreuung der Mädchen und Jungen, und das - da Ganztagsschule - bis 15.30 Uhr.

Lehrer kümmern sich um zehn Schüler

Auch an der Stendaler Komarow-Sekundarschule wusste man mit der Situation umzugehen. Knapp zehn Schüler waren erschienen und genügend Lehrer anwesend, um sie klassenübergreifend zu unterrichten. Sport, Deutsch, Mathe standen unter anderem auf dem Streiktag-Stundenplan.

An planmäßigen Unterricht war auch an der Comenius-Ganztagsschule gestern nicht zu denken. Aber: Für die wenigen Sekundarschüler, die kamen, seien genügend Lehrer da, um sie den Tag über zu betreuen, hieß es aus der Schulleitung. Während an der Seehäuser Gemeinschaftsschule ebenfalls der Unterricht ausgesetzt werden musste, herrschte an der Osterburger Sekundarschule Alltag. Dort fehlte lediglich eine Lehrerin wegen des Streiks, am Stundenplan wurde daher nicht gerüttelt.

Arbeit nach Vertretungsplan

Einen fast normalen Unterrichtstag erlebte auch das Stendaler Hildebrand-Gymnasium. Dem Streikaufruf waren hier nur wenige Lehrer gefolgt. Die Gymnasiasten absolvierten bis auf etwa ein Dutzend krankheitsbedingter Ausfälle ihren Unterrichtstag nach Plan. Für die nicht anwesenden Lehrer griff ein Vertretungsplan. Ähnlich das Bild im Havelberger Gymnasium. Normalen Unterricht gab es am Stendaler Winckelmann-Gymnasium nur für die Klassenstufen 11 und 12. Die ansonsten 21 fünften bis zehnten Klassen wurden in drei Klassen zusammengelegt.

In den 10., 11. und 12. Klassen des Tangermünder Diesterweg-Gymnasiums, deren Schüler nahezu vollzählig waren, wurden gestern Klausuren geschrieben. Am Osterburger Markgraf-Albrecht-Gymnasium fehlten zwölf Lehrer streikbedingt.

"Das deckt sich mit unseren Erfahrungen", kommentierte Sven Oeberst, Vorsitzender der GEW-Kreisverbandes Stendal, die Situation. Das Landesschulamt habe "sich schon ganz schön anstrengen" müssen, um die Betreuung der Schüler absichern zu können.

Das im Vergleich dazu geringere Echo auf den Streik-aufruf an den Gymnasien überraschte ihn aus mehreren Gründen nicht. Zum einen gebe es dort mehr verbeamtete Lehrer, die nicht streiken dürften, zum anderen aber hätten sich viele Kollegen dort bewusst gegen eine Teilnahme am Streik entschieden, um den Unterricht in den Kursstufen 11 und 12, der laufen müsse, nicht zu gefährden.

Oeberst selbst saß derweil mit rund 300 seiner Kolleginnen und Kollegen (beim Warnstreik vor zwei Wochen waren noch 80 mehr) in einem der sechs Busse, die am Morgen von Stendal aus in Richtung Leipzig gestartet waren.

Noch 20 Kilometer bis Leipzig

"Noch 20 Kilometer, dann sind wir da", so seine Standortmeldung gegen 10.30 Uhr. In der sächsischen Metropole wollten die Altmärker gemeinsam mit Landesbeschäftigten des Öffentlichen Dienstes aus Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt vor der nächsten Tarifrunde Druck auf die Arbeitgeber machen.

300 Protestierende aus dem Landkreis Stendal unter zu erwartenden 30000, das sei "einwandfrei". "Mit der Teilnahme sind wir zufrieden. Inwieweit sich die Tarifrunde dadurch in Richtung eines Ergebnisses bewegt, werden wir sehen. Ende März wird weiter verhandelt."